Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen und mündeten am 28. Februar in den Militärangriffen von Israel und den USA auf den Iran. Daraufhin gingen die Rohölpreise genauso dynamisch nach oben, wie die Börsenkurse weltweit fielen und der Goldpreis kurzfristig stieg. Diese globalökonomischen Mechanismen sind nachvollziehbar und Marktpartnern wie Unternehmern durchaus bewusst. Für die global vernetzte Kunststoffindustrie ist dieses Szenario von besonderer Bedeutung: Energiepreise, Rohstoffverfügbarkeit und Logistikströme reagieren besonders sensibel auf politische Eskalationen in dieser Schlüsselregion.
Das Whitepaper mit dem Titel: „Die Eskalation im Nahost-Konflikt und die Folgen für die europäische Kunststoffindustrie“ steht als Download unter: https://ki.de/whitepaper-iran
kostenfrei zur Verfügung.
Martin Bäcker ist Head of Polymer Prices bei Kunststoff Information (Bad Homburg), der Plattform für Preis- und Brancheninformationen rund um Kunststoffe.
Bild: Kunststoff Information GmbH
Autor Dieter Last, Handwerksmeister, Fachjournalist in der TGA-Branche und Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse e. V.
Bild: privat
Für europäische Kunststoffverarbeiter und -produzenten ergeben sich aus dieser Lage diverse Unsicherheiten, die auch die SHK-Branche tangieren werden. Vom Lagerbehälter über Mehrschichtverbundrohre bis hin zu Abwasserleitungen, Ablaufgarnituren, Spülkästen, WC-Sitzen wird nahezu alles aus dem Werkstoff gefertigt, der einem zunehmenden Preisdruck ausgesetzt sein wird – aus Kunststoff. Der erwartete Preisanstieg wird Komponenten aus der Heizungs- Klima- und Lüftungstechnik ebenso verteuern wie Dämm- und Dichtstoffe. Kunststoff hat in den letzten Jahrzehnten in nahezu allen Bereichen der technischen Gebäudeausstattung Metalle ersetzt – in erster Linie zugunsten einer verbesserten Korrosionsbeständigkeit, des geringeren Gewichts oder besserer Montageeigenschaften.
Egal ob PVC, PP und PE, PE-X (strahlenvernetztes Polyethylen) oder PTFE-Dichtband (Teflon) Polymerprodukte sind im täglichen Handwerksalltag nicht mehr wegzudenken. All diese hochwertigen Kunststoffe werden in erster Linie aus Ethylen, Paraxylol und Styrol gefertigt. Durch die Blockade der Meeresenge von Hormus ist nicht nur die Versorgung wichtiger Märkte - vor allem in Asien und Europa - mit Erdöl und Flüssigerdgas LNG schwieriger geworden, sondern auch die dieser relevanten Kunststoffvorprodukte.
Was bedeutet das für Europa?
Grundsätzlich erwarten Marktexperten wie Martin Bäcker, Head of Polymer Prices bei Kunststoff Information - der führenden Plattform für Preis- und Brancheninformationen rund um Kunststoffe (www.kiweb.de) - folgendes Szenario: „Kunststoff wird teurer, denn die Wirrungen und die Unsicherheit, die der militärische Konflikt mit sich bringt, treiben den Erdölpreis in die Höhe. Damit verteuern sich auch Naphtha (Rohbenzin) und alle daraus gewonnenen Polymervorprodukte. Hinzu kommt: Das Angebot an - bislang oft dumpinghaft günstigen - Importen wird drastisch schrumpfen. Eingeführtes Material wird teurer. Für die europäische Chemie- und Kunststofferzeugerbranche könnte sich daraus ein positiver Effekt ergeben. Hatte die Industrie zuletzt durch die vermehrte Ankündigung von Anlagenstilllegungen für Schlagzeilen gesorgt, so könnten die reduzierten und teureren Importe nun dazu führen, dass die Produktion in Europa im Vergleich an ökonomischer Attraktivität gewinnt – allen Energiepreissteigerungen zum Trotz“. (veröffentlicht auf www.kiweb.de am 05.03.2026).
Ein aktuelles Whitepaper mit dem Titel“ Die Eskalation im Nahost-Konflikt und die Folgen für die europäische Kunststoffindustrie“ analysiert mögliche Szenarien und bewertet deren potenzielle Auswirkungen auf Energie- und Rohstoffmärkte, Lieferketten sowie Wettbewerbsstrukturen der europäischen Kunststoffindustrie. Es steht als Download unter: https://ki.de/whitepaper-iran zur Verfügung.
Fazit
Die Lage in der Golfregion führt zu weltweiten Verwerfungen in der Logistik, der Rohstoffversorgung sowie im Energiemarkt. Ob der Krieg tatsächlich zu einem Preistreiber in der Kunststofferzeugerbranche wird, hängt entscheidend von seiner Länge ab. Sollte die Auseinandersetzung in vier Wochen beendet sein, wird sich die Marktlage zeitnah normalisieren. Wenn der Konflikt jedoch länger andauert, drohen massive Aufschläge. Hersteller, Großhandel und Verarbeiter aus der SHK-Branche müssen sich schon jetzt auf die aktuelle Entwicklung einstellen und entsprechend agieren. Aktuelle Rohstoffpreiserhöhungen von über 30% lassen eine Erhöhung der Kunststoff-Abgabepreise in der Größenordnung von etwa 5 bis 10% erwarten - drastisch steigende Transportkosten noch nicht gerechnet. Der Großhandel wird jetzt schon mit zeitnahen Preisankündigungen geflutet. Langfristige Festpreisgarantien sind in diesem Zusammenhang eben so wenig empfehlenswert wie Hamsterkäufe.