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Autoren
OldBo
22.03.2026
Wenn sich ein Handwerker selbstständig machen will, muss er nicht unbedingt einen eigenen Handwerksbetrieb gründen. Es besteht auch die Möglichkeit, einen bestehenden Handwerksbetrieb zu übernehmen. Sich so selbstständig zu machen, hat für neue Selbstständige viele Vorteile, jedoch ist eine Betriebsübernahme mit einigen Herausforderungen und Risiken verbunden.
Betriebsnachfolge - Fehler vermeiden und Ratschläge annehmen
 Betriebsnachfolge - Fehler vermeiden und Ratschläge annehmen
Quelle: Bosy

Wenn sich ein Handwerker selbstständig machen will, muss er nicht unbedingt einen eigenen Handwerksbetrieb gründen. Es besteht auch die Möglichkeit, einen bestehenden Handwerksbetrieb zu übernehmen. Sich so selbstständig zu machen, hat für neue Selbstständige viele Vorteile, jedoch ist eine Betriebsübernahme mit einigen Herausforderungen und Risiken verbunden.

So wie es den Fachkräftemangel gibt, ist es auch schwierig, einen passenden Nachfolger*in bzw. Übernehmer*in zu finden. In den nächsten fünf Jahren werden aufgrund des demografischen Wandels mindestens 125.000 Familienbetriebe im Mittelstand und Handwerk zur Übergabe angeboten. Diese können aus der Familie, der Belegschaft oder extern kommen.

Es gibt viele Gründe, dass Betriebsübernahmen nicht zustandekommen. Hier kann es eine mangelnde Übergabefähigkeit einiger Betriebe aufgrund von niedrigen Umsätzen (bei Kleinstbetrieben) und extremer Inhaberabhängigkeit (insbesondere bei Soloselbständigen) die zu hohen finanziellen Forderungen der Altinhaber ("Altersversorgung") Gründe sein. Weitere Probleme gibt es auch bei strukturellen Problemen vor Ort (z. B. Fortführung des Gewerbes in einem Wohngebiet bei einem Inhaberwechsel) und in den Belastungen durch Erbschaft- bzw. Schenkungsteuern bei der familieninternen Übergabe. Aber auch technische Auflagen (Schwierigkeiten bei Um- und Ausbauten), die mangelnde Trennung von Betriebs- und Privaträumen sowie die Verpflichtung zur Übernahme aller Mitarbeiter*innen (§ 613a BGB) sind Hemmnissen für die erfolgreiche Nachfolge.

Aufgrund der Herausforderungen und Risiken ist eine umfassende, interdisziplinäre und damit zeitaufwendige Beratung anzuraten, um den Generationenwechsel erfolgreich zu bewältigen. Neben freiberuflichen Unternehmensberater*innen bieten auch Fachverbände, Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern ihre Hilfe an. Über die Kammern besteht ein Netzwerk aus gut ausgebildeten Betriebsberater*innen, die besonders kleinere Betriebe neutral vertreten.

Betriebsnachfolge - Fehler vermieden und Ratschläge
Damit eine Betriebsnachfolge bzw. Betriebsübergabe klappt, sollten folgende Fehler vermieden und Ratschläge beachtet werden:

Der Betrieb ist nicht nachfolgefähig
Häufig findet sich kein Nachfolger, weil das Unternehmen nicht nachfolgefähig ist. Ein Unternehmensmakler hat mir einmal gesagt: "99 % aller Handwerksunternehmen sind unverkäuflich und nicht nachfolgefähig, weil die Voraussetzungen dafür nicht vorhanden sind! Die Inhaber können das Anlagevermögen veräußern und die Tür zuschließen!" Dass ein Betrieb nicht nachfolgefähig ist, hat vor allem zwei Gründe: keine Positionierung bei den Kunden und keine Positionierung als Arbeitgeber.
Tipp: Stärken Sie rechtzeitig Ihre Marke und Ihr Image – als spezialisierter Handwerksbetrieb und als Arbeitgeber.

Die Zeit rennt davon
Eine Betriebsnachfolge braucht Zeit. Viele Inhaber beginnen zu spät mit der Suche nach einem Nachfolger. Und wenn der gefunden und endlich am Start ist, dann brauchen Sie Zeit, um die Nachfolge in die richtigen Bahnen zu lenken: mindestens drei, noch besser sind fünf Jahre. Diese Zeit brauchen Sie, um Ihren Nachfolger auf seine Aufgaben, fachlich und persönlich, vorzubereiten.
Tipp: Beginnen Sie die Nachfolgeplanung so frühzeitig wie möglich und so realistisch wie nötig.

Der Übernehmer eignet sich nicht als Unternehmer
Ist der Nachfolger geeignet, die Aufgaben des Unternehmers zu übernehmen? Viele machen sich vorher nicht klar, was da auf sie zukommt, hadern dann mit den Herausforderungen, statt sie anzunehmen – und scheiten am Ende.
Tipp: Klären Sie mit dem Kandidaten die wichtigsten Fragen sofort, bevor Sie sich entscheiden:
- Was sind seine Gründe für die Unternehmensübernahme?
- Wie sieht er seine unternehmerische Zukunft?
- Bringt er neue Ideen und Chancen mit in die Unternehmensführung ein?
- Passt das Unternehmen überhaupt zu ihm?
- Ist er sich in letzter Konsequenz darüber im Klaren, was mit der Unternehmensübernahme auf ihn zukommt?
- Welche Prioritäten hat er?
- Kann er seine Familie und die neuen Aufgaben im Unternehmen unter einen Hut bekommen?
- Steht seine Familie hinter seiner Entscheidung?

Der Übergeber eignet sich nicht
Wenn Sie als Inhaber innerlich nicht bereit sind für die Übergabe, dann werden Sie ihr Gelingen bewusst oder unbewusst torpedieren.
Tipp: Beantworten Sie die folgende Fragen:
- Sind Sie wirklich bereit, zu einem vereinbarten Zeitpunkt nicht mehr Unternehmer zu sein?
- Was sind Ihre Gründe für die Unternehmensübergabe?
- Was kommt danach?
- Haben Sie sich die Unternehmensaufgaben des Nachfolgers schon selbst klargemacht – am besten schriftlich und unmissverständlich in einem Aufgabenbuch?

Kampf ums Geld
Für den einen geht es um sein Lebenswerk und die Altersvorsorge – für den anderen um seine Zukunft, die finanziell die Luft zum Atmen und Investieren lässt. In so einem Interessenkonflikt kann einiges schiefgehen: Man wird sich nicht einig. Oder man kann die Vereinbarung nicht lange durchhalten …
Tipp: Die Gedanken, Wünsche und Ziele beider Parteien, Übergeber und Übernehmer, müssen zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen. Darüber müssen sie miteinander offen sprechen. Hier kann ein externer und neutraler Berater helfen

Betriebsnachfolge aus Tradition statt aus Leidenschaft
Nachfolge in der Familie hat im Handwerk Tradition. Das kann aber auch gründlich schiefgehen. Denn Sohn oder Tochter eines Unternehmers zu sein, qualifiziert nicht automatisch zur Unternehmensnachfolge! Dieser Weg darf niemals aus Traditionsbewusstsein gegangen werden, oder weil es von der Familie erwartet wird.
Tipp: Der Nachfolger muss die besonderen persönlichen, unternehmerischen und fachlichen Eigenschaften in eine Betriebsnachfolge mitbringen. Jeder Nachfolger sollte sich aus freien Stücken für das Unternehmen entscheiden und davon überzeugt sein, dass er der Richtige ist, um die Aufgaben zu meistern. Das muss auch für Söhne und Töchter gelten!

Die Wahl des falschenÜ bergabemodells
Nachfolge ist nicht gleich Nachfolge. Der Aufbau und die Einarbeitung eines Nachfolgers kann ganz unterschiedlich verlaufen. Ein Mitarbeiter, der frisch von der Meisterschule kommt und übernehmen könnte, hat andere Kenntnisse, Interessen und finanzielle Möglichkeiten als ein Mitbewerber, der die Firma aufkaufen will.
Tipp: Klären Sie frühzeitig, welches Modell für Sie infrage kommt und planen Sie entsprechend. Alle Übergabemodelle erfordern völlig unterschiedliche Herangehensweisen und Vorplanungen.

Der Unternehmenswert passt nicht für beide Seiten
Die finanzielle Seite beim Verkauf des Unternehmens wird oft zu blauäugig gesehen. Das betrifft vor allem die Ermittlung des Unternehmenswertes, der für die Verhandlungen und die Finanzierung entscheidend ist. Welche Besonderheiten hat das Unternehmen, die den Unternehmenswert nach ober beeinflussen (Marke, Mitarbeiter, Kunden, Spezialisten-Image, besondere Stärken)? Welche Schwächen hat das Unternehmen, die den Unternehmenswert nach unten beeinflussen? Unterschiedliche Wertermittelungsverfahren führen zu unterschiedlichen Unternehmenswerten.
Tipp: Lassen Sie den Unternehmenswert für beide Seiten von einem „Profi“ ermitteln. Das kann ein Steuerberater, ein Wirtschaftsprüfer oder ein Unternehmensmakler sein. Oder Sie wenden sich an Ihre Handwerkskammer. In vielen Kammern übernehmen Betriebsberater die Bewertung neutral und kostenlos nach dem auch von Banken anerkannten AWH-Verfahren für das Handwerk.

Zu wenig Kreativität bei der Nachfolgefinanzierung
Die Finanzierung ist für Nachfolger der Hinderungsgrund Nr. 1: Wenn das Nachfolgekonzept nicht überzeugt, wird der Nachfolger keinen Finanzier für sein Vorhaben finden. Die Bank sagt nein zum Nachfolger – und das war es.
Tipp: Arbeiten Sie gemeinsam an einem tragfähigen Nachfolgekonzept, das die Banken überzeugt. Und kalkulieren Sie mit allen Finanzierungsmöglichkeiten für die Nachfolge. Dazu zählen nicht nur Bankkredite, sondern auch Bürgschaften und Fördermittel wie auch Unternehmerdarlehen und Veräußerungszeitrente – und vielleicht ein Mix aus allem.

Kein gemeinsamer Übernahme-Übergabe-Fahrplan
Selbst wenn sonst alles passt, kann die Betriebsnachfolge noch scheitern: Weil die Vorstellungen nicht konkret genug vereinbart werden und sich jeder auf den anderen verlässt, wann was zu tun ist. So bleiben wichtige Aufgaben zu lange liegen, bis echte Krisen entstehen.
Tipp: Wenn alle Voraussetzungen stimmen, geht es an den Übernahmefahrplan, der schriftlich fixiert und von beiden Seiten in einer Absichtserklärung unterschrieben wird.
- Bis wann soll die Übernahme/Übergabe erfolgen? Legen Sie ein genaues, aber realistisches Datum fest!
- Was muss entschieden, beachtet und erledigt werden? Erstellen Sie eine konkrete und detaillierte Aufgabenliste mit Zuständigkeiten und Zeitabschnitten. Wer macht was und bis wann?
- Legen Sie in dem Fahrplan unbedingt auch die Kommunikation der Unternehmensnachfolge fest. Wer soll wann von wem davon erfahren: Bankpartner, erweitertes privates Umfeld, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Partnerunternehmen? Und welche Unterlagen müssen Sie dafür erstellen?
quelle: Klaus Steinseifer, Handwerk.com

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