Nach den Wasserleitungen geht es heute um das zweite netzgebundene Medium, das bei einer Sanierung ausgetauscht werden kann: die Elektroanlage. Streng genommen gibt es noch ein drittes Medium – jedenfalls bei etwa jedem zweiten Gebäude hierzulande: Erdgas. Aber davon sollte und muss man die Finger lassen. Deswegen wird es in dieser Serie auch nicht behandelt.
Installation und Check moderner Zählerschränke sind nur etwas für den Fachmann.
Bild: ArGe Medien im ZVEH
Ein Auswechseln der Elektroanlage macht bei einem Bestandshaus so gut wie immer Sinn. Dabei sollte ein Elektroinstallateur entweder alles übernehmen oder für den geringen Teil, den man selbst erledigen kann, mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Wenn man ein Haus energetisch saniert, hat es meist 30 oder 40 Jahre auf dem Buckel. Das ist auch der Zeitpunkt, an dem die Elektrik des Hauses verschlissen ist. Relativ einfach ist die Entscheidung, sollte man in Omas feinem kleinen Häuschen noch auf Überputzleitungen treffen – die gehören auf jeden Fall rausgeworfen.
Anderer Strombedarf – neues Netz
Auch poröse Leitungen sind ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ein Auswechseln angebracht ist. Zudem haben Häuser nach einer Sanierung trotz Energiespargeräten meist einen anderen, verlagerten oder generell höheren Strombedarf – auch das macht eine Anpassung der Stromleitungen erforderlich. Wer dies mit Steckdosenleisten beheben will, programmiert Kabelbrand und -bruch schon vor – mit unabsehbaren Folgen.
Deswegen sollte man schon bei der Planung überlegen, wo wie viel Strom benötigt wird. Soll es ein hypermoderner Sprudel-Jacuzzi im Wellness-Badezimmer sein, braucht der natürlich ordentlich Power.
Hier nun einige Planungs- und Umsetzungsschwerpunkte für eine Sanierung oder den Wechsel einer Elektroanlage:
- Erfassung aller Stromverbraucher, insbesondere der Großverbraucher
- Planung der Verteilung
- Wahl eines modernen Zählerschrankes und Sicherungssystems statt eines Hauptverteilers mit Schraubsicherungen (insbesondere bei der Eigenerzeugung von Strom via PV-Anlage nötig) – nur ein Raum auf eine Sicherung
- Entsprechend Stromkreise, Schalter und Steckdosen planen
- Haupt- und Steigleitungen neu verlegen
- Unter-Putz-Verlegung der Leitungen für die Unterverteilung
- Schutzschalter einbauen, das ist auch gesetzlich gefordert (FI etwa für Feuchträume)
- Blitz- und Überspannungsschutz installieren
Hier noch ein Tipp: Man kann sich an der Norm DIN 18015 „Elektrische Anlagen in Wohngebäuden“ und den RAL-Ausstattungswerten orientieren. Die gelten für den Neubau, sind aber bei einer umfassenden energetischen Sanierung ein guter Leitfaden.
Fachmann immer notwendig
Dieser Aufwand kostet natürlich: Man muss mindestens mit 60 Euro je m2 Wohnfläche rechnen. Die Hälfte davon sind Handwerkerkosten. Nur ein Teil lässt sich mit Eigeninitiative einsparen. Zu den Do-it-yourself-Tätigkeiten gehören (bitte immer im stromlosen Zustand):
- Planung
- Schlitze stemmen
- Dosen setzen
- Leerrohre und Leitungen darin verlegen
- Unterverteiler und Zählerschrank setzen
Doch auch hier muss eine fachlich ausgebildete Person die Arbeiten kontrollieren.
Eng mit dem Austausch der Elektroanlage verbunden ist auch die Erzeugung von eigenem Strom. Darum soll es im nächsten Teil "Eigene Energieerzeugung" gehen am 05.09.2018.
Bisher erschienen:
1. Bestandsanierung im Überblick
2. Rechtliches
3. Förderungen
4. Dämmung außen
5. Dämmung innen
6. Dacherneuerung
7. Fensterwechsel
8. Heizungswechsel
9. Wechsel Sanitär/Wasser
10. Wechsel Elektrik
Erscheinen demnächst:
11. Eigene Energieerzeugung
12. Praxisbeispiele