Als "Second Life" wird die "Wiederverwendung" von gebrauchten Akkumulatoren bezeichnet. Meist wird dies mit einer "Umwidmung" kombiniert, da die Batterien z. B. aus Elektrofahrzeugen stammen und im zweiten Leben in stationären Anlagen zur Speicherung elektrischer Energie eingesetzt werden.
Bei den derzeitigen kostspieligen Recyclingverfahren lohnt sich eine Weiterverwendung der Batterien. Außerdem können die ausgemusterten E-Auto-Akkus immer noch eine beträchtliche Menge an Energie speichern. Das gilt vor allem dann, wenn man mehrere von ihnen zu einem großen, stationären Stromspeicher zusammenschaltet. Diese können beispielsweise Strom aus Photovoltaik-Freiflächenanlagen und Windparks sowie Haus-PV-Anlagen speichern und fungieren als "Puffer" zwischen Erzeugung und Verbrauch.
Die Second Life Batterien helfen die erneuerbaren Energien ins Stromnetz zu integrieren und sorgen für eine sichere Energieversorgung, auch dann, wenn Sonne und Wind (Dunkelflaute) mal Pause machen.
Wenn das Ende der Nutzungsdauer der Elektroautobatterien erreicht ist, stehen die Automobilunternehmen vor der Entscheidung, ob diese in eine Zweitverwendung überführt werden sollen. Eine Alternative zum Recyceln der Batterien ist, sie zu analysieren und für Anwendungen zu nutzen, in denen sie weniger Belastungen ausgesetzt sind.
Eine stationäre Anwendung, bei der die Batterie in der Regel in einer kontrollierten Umgebung mit geringeren Leistungsanforderungen als im Fahrzeug ge- und entladen wird, ist eine machbare Lösung, mit der der Recyclingprozess herausgezögert bzw. die Lebensdauer der Batterie um 15- 20 Jahre verlängert werden.
Die Batterien werden zum einen gemäß der geltenden Richtlinien für den Transport geprüft. Zum anderen werden die Speicher immer anwendungsspezifisch entwickelt, geprüft und ggf. zertifiziert. Dies bedeutet das eine Batterie aus einem Elektrofahrzeug nicht zwangsläufig alle Normen-Anforderungen einer stationären Batterie erfüllt. Auch wenn die durchgeführten Tests zum Teil ähnlich sind, werden diese mit unterschiedlichen Prüfparametern durchgeführt. Damit ist die Batterie nicht zwangsläufig unsicher, aber eine fundierte Risikoanalyse ist in jedem Fall notwendig.
In der Anwendung selbst, z. B.als Großspeicher, gibt es keinen Unterschied zu neuen Batterien was deren notwendige Tests und Sicherheitsmaßnahmen angeht. Die Anforderungen an die Sicherheit der Batterie und daraus abgeleitete Maßnahmen bestehen auch bei der Zweitverwendung.
Die Zweitverwendung von einzelnen Zellen aus Batteriepacks ist aufgrund der unterschiedlichen Belastung und der dadurch notwendigen Analysetätigkeiten nicht sinnvoll. Zudem sind diese gemäß der aktuellen Normungslandschaft nicht abbildbar, da aufgrund der Inhomogenität (Ungleichartigkeit) keine gleichmäßigen Produkte für die Zertifizierung zur Verfügung gestellt werden können. quelle: Patrick Heininger, Patrick Zank, VDE Renewables GmbH
Auf dem Betriebsgelände des EnBW-Heizkraftwerks in Heilbronn haben Audi und EnBW einen Batteriespeicher aus ausgemusterten Elektroauto-Batterien errichtet. Die Akkus stammen aus einer Testflotte des Audi-Elektro-Fahrzeugs "e-tron" und verfügen noch über hohe Kapazitäten. "In der Regel haben die Batterien eine deutlich längere Lebensdauer als die Fahrzeuge selbst", erklärt Daniel Bahro, Manager Recycling und Second Use Batteriesystemlösungen bei der EnBW.
In einem Container des Stromspeichers sind mehrere der Elektroauto-Akkus miteinander verbunden. Das Innere eines Containers gleicht einem Schubladenschrank oder einem Regal. Jeder Akku hat hier seinen festen Platz, wird per Gabelstapler in den Container gehoben und lässt sich bei Bedarf schnell wieder abklemmen und ersetzen – etwa dann, wenn seine Leistungskapazität endgültig erschöpft ist.
Stark im Verbund: 12 Batterien versorgen Haushalte mit Strom
Intern bezeichnet das Projektteam von Audi und EnBW den Referenzspeicher in Heilbronn auch gerne scherzhaft als "Seniorenheim für Autoakkus". Am Ende ihres anstrengenden "Berufslebens" als Energiezentrale eines Fahrzeugs sei den Batterien hier ein vergleichsweise entspannter Lebensabend sicher: "Die Beanspruchungen sind hier nicht mehr so hoch wie im mobilen Einsatz, wo beim Beschleunigen viel Energie sehr schnell fließen muss", erklärt der Experte. Trotzdem sind auch die gebrauchten Batterien noch stark – vor allem im Verbund: Zwölf in einem Container zusammengeschaltete "Oldie-Akkus" bringen es immerhin auf eine Gesamtleistung von rund einem Megawatt (MW) – das reicht, um zumindest kurzfristig einige Hundert Haushalte gleichzeitig mit Strom zu versorgen, bis die Batterien entladen sind. quelle: EnBW Energie Baden-Württemberg AG
Das zweite Leben der Hochleistungsbatterien verringert den Ressourcenverbrauch stark. Nach intensiver Prüfung werden sie Teil neuer Produkte. Zusammen mit einer speziell entwickelten Software stehen Privatpersonen und Unternehmen Stromspeicher für zwei Bereiche zur Verfügung: Der kleinere Hexagon optimiert den Eigenverbrauch, der größere Quadragon kompensiert den Nachtstrom in Energieerzeugungsanlagen und eignet sich für gewerbliche bzw. industrielle Anwendungen.
Das Modell Hexagon punktet mit den integrierten Funktionen wie Inselfähigkeit, EV-Charging, Cloud-Anbindung oder Nulleinspeisung. Zudem lässt sich ein E-Auto direkt und ohne Wallbox laden. Bis zu 72 kWh Kapazität und maximal 22 kW Dauerleistung sind nur einige der relevanten Features.
Der Quadragon optimiert unter anderem den Betrieb von Solarparks, BHKW oder Windenergieanlagen. Das Speichersystem vermeidet den Bezug von Strom aus dem Netz und kann je nach Bedarf Mehr- oder Mindermengen der verkauften Energie ausgleichen. Angegeben wird eine Kapazität bis zu 648 kWh. Außerdem lassen sich kundenspezifische Lösungen realisieren.