Da Kupfernetze für DSL/VDSL (Digital Subscriber Line/Very High Speed Digital Subscriber Line - Digitaler Teilnehmeranschluss) und Glasfaser parallel zu betreiben unwirtschaftlich ist, werden Pläne für die DSL-Abschaltung ausgearbeitet. Die Bundesnetzagentur hat jetzt ein Impulspapier (Impulse zur regulierten Kupfer-Glas-Migration) vorgelegt, das eine Abschaltung in drei Phasen beschreibt.
Auf 45 Seiten will das Papier eine Diskussionsgrundlage für den Technologiewechsel von Kupfer auf Glasfaser schaffen, um die Migration geordnet, transparent und zukunftsorientiert zu gestalten. Marktteilnehmer sind zur Stellungnahme aufgerufen, um den Regulierungsrahmen weiterzuentwickeln.
3 Phasen für die DSL-Abschaltung
Die Bundesnetzagentur hat laut Telekommunikationsgesetz (TKG) - § 34 Migration von herkömmlichen Infrastrukturen) die Befugnis, den Migrationsprozess zu überwachen und zu steuern.
Diese drei Phasen sind dafür vorgesehen:
• Freiwillige Migration: In der ersten Phase setzt man darauf, dass sich die beste Technik mit passenden Angeboten durchsetzt und möglichst viele Haushalte freiwillig die DSL-Verträge kündigen und auf Glasfaser umsteigen. Netzbetreiber vermarkten ihre Produkte, auch in Vorleistung für andere Anbieter nach dem Open-Access-Prinzip.
• Umstiegsplan: Sind genügend Haushalte in einem Gebiet auf Glasfaser umgestiegen, kann der Netzbetreiber einen Abschaltplan bei der Bundesnetzagentur einreichen. Der wird geprüft und es werden Kündigungs- und Migrationsbedingungen festgelegt. Die Unterlagen werden dann veröffentlicht und es besteht die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen. Anschließend trifft die Bundesnetzagentur ihre Entscheidung für die Migration in den einzelnen Gebieten.
- Abschaltung: Die dritte Phase umfasst die Abschaltung der Kupfernetze und den Abschluss der Migration. Endkunden sollen mit genügend Vorlauf über die Pläne und alternative Produkte informiert werden. Das Kupfernetz soll erst dann abgeschaltet werden, wenn alle Haushalte ordnungsgemäß migriert sind.
Damit bis 2030 alle Haushalte in Deutschland einen Glasfaseranschluss bekommen können, wurde von der Bundesnetzagentur das Gigabitforum geschaffen, ein Expertenkreis aus Vertretern von Verbänden, Anbietern von Telekommunikations-Anschlüssen, des zuständigen Bundesministeriums und der Bundesländer sowie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste.
Erste Pilotprojekte sind bereits durchgeführt worden, mit denen man Erfahrungen rund um den Wechsel von kupferbasierten DSL-Anschlüssen auf Glasfaser sammeln will. Dabei hat man verschiedene Vorgehensweisen getestet. In einem Fall wurden zum Beispiel bestehenden DSL-Kunden vom Anbieter die Verträge gekündigt. In einem anderen Fall hat man nur den Vertrieb von DSL-Produkten gestoppt und Bestandskunden Glasfaser-Angebote unterbreitet.
Diese Erfahrungen sollen helfen, eine Gesamtstrategie für die DSL-Abschaltung in Deutschland zu erarbeiten. Bisher fehlt so ein übergreifender Plan noch. Betroffen von der Kupferabschaltung wären derzeit rund 24 Millionen Haushalte in Deutschland, die auf DSL setzen.
Quelle: Joerg Geiger, Redaktion CHIP - BurdaForward GmbH