Vollständig elektrifizierte Baustellen können sich Fachleute eher in städtischen Gebieten vorstellen, denn die Anbindung an die Ladeinfrastruktur ist dort besser umzusetzen. Die Vorteile der E-Mobilitäät sind eine geringere Lärmbelästigung und niedrigere Schadstoffbelastung in dicht besiedelten Gebieten. Der Gesundheitsschutz im urbanen Umfeld wird durch einen leiseren und emissionsärmeren Bau gesteigert und die Akzeptanz bei Anwohnern spürbar besser.
Das Problem ist vor allem eine geeignete Ladeinfrastruktur und mobile Speicher (Akkus) anzubieten. Auch die Bearbeitungs- und Genehmigungszeiten für einen leistungsfähigen Stromanschluss müssen besser werden. Bis ein Antrag genehmigt ist, dauert oft sechs bis 18 Monate.
Der Wille zur Elektromobilität ist da, aber die Rahmenbedingungen fehlen. Die Bereitschaft im Bau- und Handwerk, auf Elektromobilität umzusteigen, ist hoch, wie die Umfrage von PROFI-Werkstatt zeigt. Der Wandel stockt jedoch an handfesten, strukturellen Hürden:
• Ladeinfrastruktur: Es mangelt an praxistauglichen Lademöglichkeiten – sowohl auf dem eigenen Betriebshof, wo teure Elektroinstallationen nötig sind, als auch mobil auf der Baustelle.
• Kosten und Wirtschaftlichkeit: Die deutlich höheren Anschaffungskosten für E-Fahrzeuge und -Maschinen schrecken viele Betriebe mit begrenztem Budget ab, auch wenn sich die Investition langfristig amortisieren könnte..
• Technische Grenzen: Reichweite, Nutzlast und Ladezeiten sind besonders bei Nutzfahrzeugen und Baumaschinen oft noch nicht wettbewerbsfähig im Vergleich zum bewährten Diesel. Bei Baumaschinen gilt dies umso mehr für größere Modelle.
• Unsicherheit und fehlende Förderung: Eine komplexe Bürokratie und unzureichende Förderungen für spezialisierte Fahrzeuge verunsichern Unternehmer. "Bei einem guten Diesel weiß man, den kann man auch 20 Jahre später noch fahren, da hat man Erfahrungswerte", fasst Andreas Röttgen die Skepsis zusammen. René Kappus ergänzt: "Ohne staatliche Förderung oder Vorgaben für bestimmte Bauprojekte wie in der Schweiz wird der Umstieg im Baumaschinenbereich kaum stattfinden".
Der Durchbruch der E-Mobilität im Bau- und Handwerk wird erst dann gelingen, wenn diese Hürden systematisch abgebaut werden. Notwendig sind nicht nur technologische Fortschritte, sondern vor allem ein massiver Ausbau der betrieblichen und mobilen Ladeinfrastruktur sowie verlässliche und einfach zugängliche Förderprogramme, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Branche zugeschnitten sind. Bis dahin bleibt die Elektrifizierung für viele Betriebe eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten. Quelle: 123erfasst.de GmbH