Kritische Infrastrukturen (KRITIS) werden auch in Deutschland zunehmend durch hybride Maßnahmen bedroht. Hierzu gehören verdeckt durchgeführte Cyberangriffe, Spionage und Abhöraktionen sowie Sabotage und Desinformations-Kampagnen. Dabei versuchen Staaten, auch mittels beauftragter nichtstaatlicher Akteure, ihre Ziele durch ein breites Spektrum an unterschiedlichen Maßnahmen durchzusetzen. Diese Maßnahmen werden mehr oder weniger verdeckt durchgeführt und können im Allgemeinen vor wie auch während eines offen ausgeführten militärischen Konfliktes zum Einsatz kommen.
Das übergeordnete Ziel ist die Durchsetzung eigener staatlicher Interessen in gegnerischen Staaten. Dies kann durch eine Destabilisierung der Staaten und durch die Einflussnahme auf Gesellschaft und Regierung gelingen, indem zum Beispiel durch hybride Maßnahmen die öffentliche Meinungs- und Willensbildung beeinflusst wird.
Bereits seit vielen Jahren werden gegen Deutschland vor allem verdeckte Cyberangriffe, Spionage und Abhöraktionen durchgeführt.
Mit dem Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der Russischen Föderation gegen die Ukraine hat Russland jedoch seine verschiedenen hybriden Maßnahmen massiv verstärkt. Mit dem Ziel, die Unterstützung und Hilfsmaßnahmen westlicher Staaten für die territoriale Verteidigung der Ukraine zu behindern, steht auch spätestens seit Februar 2022 Deutschland im Fokus hybrider russischer Angriffe. Denn durch die große Wirtschaftskraft und die damit verbundenen Möglichkeiten für weitreichende Unterstützungsmaßnahmen ist insbesondere Deutschland eine Gefahr für die russischen Bestrebungen bei der Aneignung fremder Staatsgebiete.
China verfolgt ebenfalls eine offensive Cyberstrategie. Verdeckte Cyberangriffe gegen deutsche Wirtschaftsunternehmen und Behörden ermöglichen einen umfangreichen Wissenstransfer, der einen wichtigen Beitrag zu den wirtschaftspolitischen und geopolitischen Zielen des asiatischen Landes leistet.
Des Weiteren führen Nordkorea und der Iran hybride Maßnahmen insbesondere im Cyberraum gegen Deutschland durch.
Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
Kernkategorien einer Bedrohungsanalyse
• Cyberangriffe
Diese Gruppe bildet die direktesten und wirkungsvollsten Formen moderner digitaler Angriffe ab. Sie umfasst technische Kompromittierungen, Systeminfiltrationen, operative Manipulationen und Angriffe auf industrielle oder digitale Lieferketten. Dadurch macht sie sichtbar, wie Systeme unterwandert oder außer Betrieb gesetzt werden können. Besonders interessant ist diese Kategorie für Cybersecurity-Teams, Incident Responder, digitale Forensik, Betreiber kritischer Infrastrukturen und Unternehmen mit komplexer IT-/OT-Landschaft, da sie präzise die technischen Muster abbildet, über die Angreifer in Systeme eindringen.
• Cyber-Sabotage
• Präparierte Sabotage
• Software-/Lieferkettenangriffe
• Ransomware & Erpressung
• Identitätsangriffe
• OT/ICS-Angriffe
• Informationsmanipulation & Einflussoperationen
Diese Kategorie konzentriert sich auf die gezielte Beeinflussung von Informationen, Medien, Wahrnehmung und Identität. Sie umfasst Methoden, mit denen Inhalte manipuliert, Realitäten verzerrt oder gesellschaftliche Strömungen strategisch beeinflusst werden. Die Gruppe ist besonders relevant für OSINT-Analyst:innen, Investigativjournalismus, staatliche Stellen, Plattformmoderation und Reputationsschutz, da sie gängige Werkzeuge moderner Einflusskampagnen, hybride Propaganda und digitale Täuschung abbildet, die politische Entscheidungen, Geschäftsprozesse oder öffentliche Meinungen beeinflussen.
• Deepfakes
• Desinformation & Propaganda
• Gefälschte Dokumente
• Spionage & Nachrichtendienstliche Aktivitäten
Diese Gruppe beschreibt verdeckte, strategisch geplante Operationen zur Informationsbeschaffung – von Industriesektoren über Forschung bis zu militärischen Bereichen. Sie umfasst typische Muster langfristiger Ausforschung, technologischem Abfluss und gezielter Datenexfiltration. Interessant ist sie für Sicherheitsbehörden, Geheimschutz, Technologieunternehmen, Forschungseinrichtungen und internationale Organisationen. Die Kategorie hilft, die operativen Signaturen organisierter Akteure, APT-Verhalten und nachrichtendienstliche Methoden zu erkennen, die oft im Verborgenen agieren.
• Spionage
• Industrie-/Militärspionage
• Menschliche Faktoren
Diese Gruppe rückt den Menschen als zentrale Sicherheitskomponente in den Fokus. Sie ist entscheidend, weil über 70 % aller erfolgreichen Angriffe auf menschliche Fehlhandlungen, Manipulation oder böswilliges Verhalten zurückgehen. Sie umfasst Täuschung, Fehlhandlungen, interne Risiken, manipulatives Verhalten und den Umgang mit sensiblen persönlichen Daten. Dadurch zeigt sie, wie Menschen selbst – ob bewusst oder unbewusst – zum Angriffsvektor werden. Interessant ist diese Kategorie für HR, Compliance, Datenschutz, Security Awareness, interne Revisionen und alle Organisationen, die mit vertraulichen Mitarbeiter- oder Kundendaten arbeiten, da sie die Hauptmuster menschlicher Schwachstellen und datenschutzbezogener Risiken abbildet.
• Insider-Bedrohungen
• Human Error
• Social Engineering
• Privatsphäre
• Physische & hybride Bedrohungen
Diese Gruppe fokussiert auf Angriffe, die physische Einwirkung, Zugang vor Ort oder eine Kombination aus physischen und digitalen Methoden nutzen. Dazu gehören Situationen, in denen etwa physische Manipulation einen digitalen Angriff erst ermöglicht – oder umgekehrt. Besonders wichtig ist diese Kategorie für Betreiber kritischer Infrastruktur, Energieversorger, Logistik- und Transportsektoren, Produktionsstätten sowie Sicherheitsdienste. Sie zeigt Szenarien auf, in denen digitale Risiken in reale Schäden übergehen und wo Angreifer mehrere Ebenen gleichzeitig ausnutzen.
• Physische Angriffe / Vandalismus
• Hybride/physische Risiken
• Lieferketten-Sabotage
• Wirtschaft & Versorgung
Diese Gruppe betrachtet Angriffe und Störungen, die wirtschaftliche Systeme, geschäftliche Abläufe, Finanzprozesse oder die operative Versorgung betreffen. Sie zeigt, wie wirtschaftliche Schwachstellen ausgenutzt, Finanzflüsse manipuliert oder Liefer- und Versorgungsketten beeinträchtigt werden können. Besonders interessant ist diese Kategorie für Finanzinstitutionen, Risikomanagement, Corporate Governance, Wirtschaftsprüfung und Unternehmen, die stark von globalen oder kritischen Versorgungssystemen abhängen.
• Finanzielle Sabotage / Wirtschaftskriminalität
• Umwelt-/Infrastrukturausnutzung
Quelle: RADiOSPHERE GmbH