Die Urbane grüne Infrastruktur steht für eine strategische und integrierte Planung, Sicherung, Entwicklung und Management von städtischen Grün- und Freiflächen. Sie erfordert gesamtstädtische und teilräumliche Konzepte für ihre dauerhafte Entwicklung und Bewirtschaftung. Grüne Infrastruktur wird auf unterschiedlichen Maßstabsebenen geplant, von der Stadtregion über Gesamtstadt, Stadtteil und Quartier bis zur Einzelfläche. Der maßstabsübergreifende Ansatz bietet die Chance zur Verbindung von (großräumiger) Landschafts- und (objektbezogener) Freiraumplanung.
Die Urbane grüne Infrastruktur zeichnet sich dadurch aus, dass sie vielfältige Ziele einer sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Stadtentwicklung unterstützt und zur Daseinsvorsorge beiträgt. Das beinhaltet die Förderung von urbaner biologischer Vielfalt, Klimawandelanpassung und Resilienz sowie weiterer ökologischer Leistungen, menschlicher Gesundheit und Wohlbefinden, sozialem Zusammenhalt und gesellschaftlicher Teilhabe, Naturerleben, nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung und einer ressourcenschonenden Stadtentwicklung. Sie stärkt das Erscheinungsbild, die Standortqualität, die grüne Baukultur und Identität – und damit die Lebensqualität und Attraktivität von Städten.
Die Urbane grüne Infrastruktur kann alle Arten von Grün- und Freiflächen sowie Wasserflächen, aber auch Einzelelemente wie Bäume sowie baulich geprägte Flächen umfassen. Solche Flächen und Elemente werden zu Bestandteilen der grünen Infrastruktur, wenn sie entsprechend der nachfolgenden Schritte bereits eine hohe Qualität aufweisen oder dahingehend weiterentwickelt werden.
Quelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN)
_______________________________________________
Mit Blick auf das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) ist es von zentraler Bedeutung, dass die Regionen Naturgefahren auf Basis belastbarer Daten bewerten und Handlungsmaßnahmen umsetzen können.
Deshalb stehen die Regionen Deutschlands damit zunehmend vor der Um ein einheitliches Bewertungssystem zu entwickeln, wurde erstmalig und exklusiv mit dem Naturgefahren-Analysetool K.A.R.L. (Köln.Assekuranz, 2025) die Vulnerabilität urbaner Infrastruktur mit Blick insgesamt zehn Naturgefahren untersucht.
Diese sind thermische Gefahren (Hitzestress, Hitzewelle, Wasserknappheit, Dürre), hydrologische Gefahren (Starkregen, Überschwemmungen, Sturmflut) und meteorologische Gefahren (Sturm, Tornado, Hagel). Für sechs von zehn Gefahren (Starkregen, Überschwemmung, Sturm, Sturmflut, Hagel und Tornado) wird mittels sogenannter Vulnerabilitätskurven für städtische Infrastrukturen analysiert, ab welcher Intensität jeder einzelnen Gefahr zentrale städtische Funktionen eingeschränkt oder unterbrochen wären. Für die übrigen vier Gefahren wird die Vulnerabilität in vereinfachter Form berücksichtigt, da die Phänomene nicht punktuell, sondern großflächiger wirken.
Grundlage der Gefahrenmodellierung sind unter anderem 20 komplexe globale Klimamodellen aus dem internationalen CMIP6-Projekt (Coupled Model Intercomparison Project Phase 6). Durch die Verwendung mehrere Modelle können Unsicherheiten reduziert und robuste Mittelwerte berechnet werden. Es werden Rastergrößen von 100 x 100 Metern in den 71 kreisfreien Großstädten und 200 x 200 Metern in allen anderen 329 Kreisen und kreisfreien Städten gebildet. Nach Normierung der zehn Naturgefahren auf eine einheitliche Skala (0: "keine Belastung" bis 10: "hohe Belastung") und Gewichtung ergeben sich daraus Gesamtindizes zum Klimarisiko heute und im Jahr 2050 (im SSP5-8.5-Szenario) für alle 400 Kreise und kreisfreien Städte.
Quelle: Johannes Ewald / Hanno Kempermann, Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.