Für ein einwandfreies Funktionieren einer
Wasserheizungsanlage müssen die
Masseströme richtig eingestellt werden, d. h. jeder Heizkörper soll nur die
Wassermenge bekommen, die der berechneten
Heizlast entspricht. Außerdem ist der Abgleich nicht nur nach der
VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) Teil C – ATV DIN 18380 und der
EnEV(
Energieeinsparverordnung) vorgeschrieben, sondern auch Grundvoraussetzung für eine effizient arbeitende außentemperaturgesteuerte Anlage. Natürlich muss diese Leistung auch beauftragt und bezahlt werden.
Ob ein
hydraulischer Abgleich in einer
Bestandsanlage (aber auch in Neubauten) überhaupt
notwendig ist, kann man
selber auch
erst einmal bei verschieden Außentemperaturen
testen.
(
In Neubauten sollte man bedenken, dass durch die
Baufeuchte ein
höherer Wärmebedarf besteht. Hier könnte bzw. sollte man den Test nach 2 bis 3 Jahren noch einmal durchführen
- Alle Ventile voll aufdrehen oder die Thermostatköpfe abnehmen > eine längere Zeit heizen (dabei sollte möglichst keine Fremdwärme, wie z. B. Sonneneinstrahlung, viele Personen, E-Geräte, die Einfluss auf die Erwärmung der Räume hat, vorhanden sein) > die Raumtemperaturen prüfen. Die Temperaturen sollten möglichst in der Mitte des Raumes in Sitzhöhe gemessen werden.
- Haben dann die Räume die gewünschte Temperatur, dann ist das in Ordnung.
- Wenn die Räume zu warm oder zu kalt sind, dann kann man als nächstes die Systemtemperatur niedriger oder höher einstellen. Nach jeder Änderung, muss wieder längere Zeit geheizt werden. Das Stellen an den Umwälzpumpen ist weniger sinnvoll. Die Pumpen sollten mit möglichst niedriger Drehzahl arbeiten.
- Wenn durch diese Maßnahme nichts erreicht wird, dann muss der Abgleich neu bzw. erstmals durchgeführt werden.
Natürlich kann man auch gleich eine Heizlastberechnung nach
DIN EN 12831 erstellen, die
Heizflächen überprüfen bzw. berechnen und anhand einer Rohrnetzberechnung die Einstellwerte einstellen.
Bei einigen
Fördermaßnhmen ist der Abgleich zwingend vorgeschrieben und muss entsprechend von einem Fachbetrieb mit entsprechenden
Vordrucken bescheinigt werden.
Ab dieser Stelle muss der Besitzer einer Einrohrheizung nicht weiterlesen, denn ein Abgleich dieser Anlagen ist nach diesem Prinzip nicht möglich!
Ist der Abgleich nur im Volllastbetrieb wirksam? Eigentlich ja, aber genau deswegen ist ja ein hydraulischer Abgleich nur dann wirklich wirkungs- und sinnvoll, wenn eine
selbstregelnde Pumpe oder ein
differenzdruckgesteuertes Ventil eingebaut wird. Auch ist die richtig eingestellte
Heizkurve Voraussetzung für eine hydraulisch richtig arbeitende Anlage.
Dann arbeitet die Anlage auch im Teillastbereich (Abschalten einiger
Heizflächen per Hand oder Fremdwärme) hydraulisch einwandfrei.
Hinzu kommt, dass das
Heizungswasser nicht eine dicke Brühe ist oder wird, denn dann wird der Abgleich nach kurzer Zeit nicht mehr funktionieren, weil die "Brühe" eine andere
Viskosität hat und sich höhere Widerstände in den engen Durchlässen der voreingestellten Ventile aufbauen. Auch liest man immer wieder, "es hat ja vorher funktioniert und nun nicht mehr". Wer macht sich schon Gedanken über die
Wasserqualität?
Heizungs- und Kühlwasser ist
kein "totes
Wasser"! Immer wieder werden andere Meinungen vertreten. Ist es Unwissenheit, Halbwissen oder Ignoranz? Auf jeden Fall ist dieses Thema nicht so einfach, wie es sich viele vorstellen.
Viele Störungen (z.B. Strömungsgeräusche, Ausfall von Anlagenteilen) während des Betriebes einer PWWH lassen sich vermeiden, wenn man sich bei der Auslegung (Berechnung) und bei der ersten Inbetriebnahme ein wenig mehr Zeit nimmt.
Für die Dimensionierung der Rohrnennweiten können die
Strömungsgeschwindigkeiten v (
Wassergeschwindigkeiten) oder die vorliegenden
Druckgefälle R herangezogen werden.
Dabei sind folgende Richtwerte für die
Strömungsgeschwindigkeit zu beachten:
Rohrverteilung bei Fernheizungen - v = 0,8 m/s ... v = 2,0 m/s
Rohrverteilung im Kellergeschoss - v = 0,4 m/s ... v = 1,0 m/s
Rohrverteilung in bewohnten Räumen - v = 0,2 m/s ... v = 0,5 m/s
Heizkörperanschlüsse - v = 0,1 m/s ... v = 0,4 m/s
Richtwerte für
Druckgefälle bei
PumpenWarmWasserHeizungen:
R = 0,5 mbar/m ... R = 3 mbar/m (50 Pa/m ... 300 Pa/m)
Unter dem häufig im Zusammenhang mit der
Rohrnetzberechnung verwendeten Begriff Stromkreis (
Wasserstromkreis) versteht man den Weg, den das
Wasser vom
Heizkessel über Vorlauf,
Wärmeaustauscher bzw. Heizkörper und Rücklauf zum
Heizkessel zurücklegt. Dieser Stromkreis besteht in der Regel aus mehrere
Teilstrecken (TS). Bei der
Zweirohrheizung können Teilstrecken der Vor- und Rückläufe mit gleichen Heizwasserströmen zusammengefasst werden.
Durch den von der Heizungsumwälzpumpe erzeugte
Pumpendruck wird der Druckverlust ausgeglichen, der durch Einzelwiderstände, Regelarmaturen und gerade Rohrstrecken entsteht. Da die einzelnen Stromkreise einer Warmwasserheizungsanlage
parallel geschaltete Widerstände bilden, errechnet sich der notwendige
Pumpendruck aus den Druckverlusten des ungünstigsten Stromkreises.
In diesem Stromkreis entsteht der größte Druckverlust.
In den Stromkreisen, in denen der Druckverlust geringer ist, müssen Drosselarmaturen (
voreinstellbare Thermostatventile [evtl.
einstellbare Rücklaufverschraubungen], in größeren Anlagen -
Strangregulierventile) eingebaut werden. Diese Drosselarmaturen reduzieren den überschüssigen Druck bzw. halten ihn konstant, damit der günstigste Heizkreis (Heizkörper) nicht die Anlage steuert, denn dieser Heizkreis (Heizkörper) beeinflusst die Funktion der anderen Heizkreise (Heizkörper). Einfach gesagt, dieser Heizkörper darf den anderen Heizkörpern nicht das
Wasser wegnehmen.
Wenn nicht in allen Stromkreisen der gleiche Druckverlust besteht, stellen sich andere Heizwasserströme als die berechneten notwendigen Massenströme ein. Das
Wasser strömt dann mit einer viel zu großen Menge durch die Heizkreise (Heizkörper) mit den geringeren Widerständen. Die Heizkörper geben mehr
Wärme ab, wirken als Störgröße für die Raumregelung und führen evtl. zu Ströumungsgeräuschen. Das Ergebnis ist, dass die Hydraulik durcheinander gebracht wird.
Die Folge des fehlenden Abgleichs ist, dass die Heizkreise (Heizkörper) mit höheren Widerständen nicht warm werden. Die
falsche „logische Folgerung“ wäre, den
Pumpendruck zu erhöhen (höhere Schaltstufe, größere Pumpe). Dies bedeutet einen höheren Stromverbrauch, evtl. extreme Fließgeräusche, Einbau eines
Überströmventils (
Energievernichtung) und
Lufteinsaugung (Verschiebung des
Nullpunktes). Dadurch werden die Probleme noch größer.
Wenn die Anlage richtig abgeglichen ist, kann durch den Einsatz einer (selbsttätig) regelbaren Pumpe (nach der
EnEV ab 25 kW [
Nennwärmeleistung] vorgeschrieben) der
Energieverbrauch der Pumpe bis zu 80% reduziert werden. Solche
Pumpen haben sich oft nach 2 Jahren amortisiert.
Besonders jetzt ist eine aufbereitete Anlage wichtig!
Die alte, seit Jahrzehnten praktizierte Rohrnetzberechnung hat sich für bestehende Anlagen inzwischen überholt. Sinnvoll ist die Berechnung mit einem Berechnungsprogramm und man wird schnell feststellen, dass der theoretisch ungünstigste Heizkörper meistens nicht der richtige Heizkörper ist.
Auch die Berechnung für den nachträglichen Abgleich in Bestandsanlagen ist mit solchen Programmen möglich, aber ob diese aufwendige Berechnung notwendig ist, wird immer noch kontrovers diskutiert. Viele Hersteller bieten Überschlagsberechnungen an, die für die Praxis tolerierbar sind. Es werden auch schon
Programme für Handys angeboten.
Ein überschlägiger Abgleich ist immer noch besser gegenüber gar keinem!
Auch sollte daran gedacht werden, dass man ein
Feintunig in der ersten Heizperiode nur bei
Temperaturen
unter +5° C durchführen kann und dass
Fremdwärme (
Sonneneinstrahlung, Personen und Elektrogeräte in den Räumen) möglichst
vermieden wird, da sonst eine Überprüfung der erreichten Raumtemperaturen verfälscht werden!
Praxisvorschlag zur Überprüfung der Anlagenhydraulik.
Die Güte der Hydraulik einer
Anlage (mit Heizkörpern) zu überprüfen, ist eigentlich sehr einfach. Die
Wärmezufuhr wird abgeschaltet und die Anlage kühlt mit laufender Pumpe ab, dabei müssen alle HK-Ventile voll aufgedreht sein. Wenn das Anlagenwasser abgekühlt ist, wird die Pumpe abgeschaltet und der
Wärmeerzeuger hochgeheizt. Nach dem Erreichen der maximalen
Temperatur wird die Pumpe wieder eingeschaltet. Nun wird überprüft, ob das warme
Wasser relativ gleichzeitig an allen Heizkörpern ankommt. Wenn einzelne Heizkörper zu schnell warm werden, dann bekommen sie zu viel
Wasser (
Wärme). Heizkörperanschlüsse, die nur langsam warm werden, sind unterversorgt. Jetzt kann der Fachmann schon abschätzen, wie der Abgleich vorzunehmen ist.
Die
Überprüfung einer Fußbodenheizung kann in ähnlicher Weise durchgeführt werden. Hier muss aber der Rücklauf gefühlt werden.
Voraussetzung für einen weiteren Abgleich sind voreinstellbare Ventile (bzw. Rücklaufverschraubungen) und richtig ausgelegte Heizflächen.
Wichtig ist letztendlich, dass alle Räume die gewünschte
Temperatur haben, ohne das die Ventile schließen.