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Autoren
OldBo
05.06.2020
Der Begriff "Hydraulischer Abgleich" (HA) ist inzwischen in allen möglichen Ratgebern zu lesen. Ja, er ist richtig zum Modewort geworden. In Wirklichkeit ist letztendlich der "Thermische Abgleich" (TA - Feinjustierung in der ersten oder zweiten Heizperiode nach Einzug) gemeint und der ist für die Bewohner ausschlagebend. Dabei sollen die Heizflächen so einreguliert (Volumenstrom) werden, dass die Raumtemperaturen mit den in der Heizlastberechnung vorgesehenen Temperaturen (Wunschtemperaturen) übereinstimmen.

Der Begriff "Hydraulischer Abgleich" (HA) ist inzwischen in allen möglichen Ratgebern zu lesen. Ja, er ist richtig zum Modewort geworden. In Wirklichkeit ist letztendlich der "Thermische Abgleich" (TA - Feinjustierung in der ersten oder zweiten Heizperiode nach Einzug) gemeint und der ist für die Bewohner ausschlagebend. Dabei sollen die Heizflächen so einreguliert (Volumenstrom) werden, dass die Raumtemperaturen mit den in der Heizlastberechnung vorgesehenen Temperaturen (Wunschtemperaturen) übereinstimmen. Das funktioniert aber nur, wenn die Systemtemperatur über die Heizkurve (Vorlauf oder Rücklauf) so niedrig wie möglich eingestellt ist und die Einzelraumregelung (wenn vorhanden) die Wärmezufuhr nicht ausbremst, denn die Temperatur des Heizungswassers darf keine Fremdwärme sein. Außerdem sollte in der ersten Heizperiode die Außentemparatur unter 5 °C liegen und es sollte möglichst kein sonniges Wetter vorhanden sein.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man sich mit dem Heizungssystem und der vorhandenen Regelung auseinandersetzen.

  • Ist es eine vorlaufgeführte Regelung oder eine rücklaufgeführte Regelung vorhanden?
  • Welche Bauteile (z. B. Temperaturfühler, Außentemperaturfühler) sind vorhanden und sind diese richtig angebracht?
  • Hat der Ersteller der Anlage den Betreiber bei der Übergabe in die eingebaute Anlage eingewiesen (z. B. Anlagenbeschreibung)?
  • Wurden alle notwendigen Unterlagen (z. B. Bedienungsanweisungen, Protokolle [z. B. Voreinstellwerte der Thermostatventile oder Topmeter, Vordruck im MAG, Mindestdruck am Manometer]) übergeben?

Die Grundlage für den Thermischen Abgleich ist der Hydraulische Abgleich, denn für ein einwandfreies Funktionieren einer Wasserheizungsanlage müssen die Massenströme richtig eingestellt werden, d. h. jeder Heizkörper bzw. Heizkreis soll nur die Wassermenge bekommen, die der berechneten Heizlast bzw. Heizflächenauslegung entspricht. Das setzt natürlich voraus, dass die Heizkörper bzw. Heizflächen auch nach der Raumheizlastberechnung nach DIN EN 12831 ausgelegt wurden. Dieser Abgleich (Voreinstellungen) wird nach dem Spülen bzw. Füllen der Anlage anhand der in der Rohrnetzberechnung ermittelten Werte an den voreinstelllbaren Heizkörperventilen (evtl Rücklaufverschraubungen) bzw. voreinstellbaren Heizkreisarmaturen (z. B. Topmeter an Fußboden-, Wand- und Deckenheizflächen) durchgeführt. In der Regel passiert dies in einem noch nicht fertiggestellten und nicht eingerichtetem Neubau.

Der Thermische Abgleich kann erst durchgeführt werden, wenn die Räume fertig eingerichtet sind, denn die Einrichtung ist eine Speichermasse, verkleinert das Raumvolumen, deckt evtl Heizflächen ab (z. B. bodengleiche Einrichtungsgegenstände) und kann als Dämmung an Außenwänden (z. B. Einbauschränke) wirken. Außerdem sollte diese Feinjustierung erst in der ersten Heizperiode bei Außentemperaturen von unter 5 °C und möglichst an Tagen ohne Sonnenschein durchgeführt werden und ein Neubau sollte trocken sein.

In der Regel gehört die Feinjustierung (Thermischer Abgleich) nicht zum Leistungsumfang des Hydraulischen Abgleichs bzw. Bauleistung, weil die Arbeit sehr zeitaufwendig und dadurch schlecht kalkulierbar ist und erst durchgeführt werden kann, wenn die Bewohnen eingezogen sind. Denn auch die Heiz- und Lüftungsgewohnheiten der Bewohner spielen eine große Rolle. Es ist sinnvoll, dass die Bewohner die Feineinstellung selber durchführen. Natürlich sollten die Bewohner nicht nur deswegen über das richtige Heizen und Lüften informiert werden.

Der Hydraulische Abgleich ist die Theorie (aber die Grundlage für den TA) und der Thermische Abgleich ist die Praxis, weil es keine gleichen Häuser und keine gleichen Heiz- und Lüftungsgewohnheiten gibt.

Der thermische Abgleich kann z. B. nach Auszug der Kinder, also bei dem Nichtbeheizen bzw. eingeschränktem Beheizen der Zimmer, noch einmal sinnvoll sein.

Außerdem sollte man bedenken, dass besonders in sehr gut gedämmten Häusern in Verbindung mit Flächenheizungen, die mit einer niedrigen Systemtemperatur betrieben werden, verschiedene Raumtemperaturen und ein schnelles Aufheizen nicht beheizter Räume oder kurzzeitiges Abkühlen einzelner Räume fast unmöglich ist. In einem mehrstöckigen Mietshaus haben die unteren und oberen Wohnungen (beheizt oder nichtbeheizt) einen Einfluss auf die Raumtemperaturen in der eigenen Wohnung. Dies führt besonders in Häusern mit Ferien- oder Wochenendwohnungen zu großen Problemen bzw. ständigem Ärger.

Der Hydraulische Abgleich ist seit 1978 in der 1. Heizungsanlagenverordnung - Verordnung über  energiesparende Anforderungen an heizungstechnische Anlagen und Warmwasseranlagen - und den folgenden Verordnungen vorgeschrieben. Außerdem ist der Abgleich in der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) Teil C – ATV DIN 18380, auch schon in der Ausgabe von 1960, (wenn die VOB schriftlich festgelegt wird) festgelegt, und in der DIN EN 14336 (Heizungsanlagen in Gebäuden – Installation und Abnahme der Warmwasser-Heizungsanlagen - 01-2005) und der EnEV (EnergieEinsparVerordnung) vorgeschrieben, sondern auch Grundvoraussetzung für eine effizient arbeitende außentemperaturgesteuerte Anlage. Natürlich muss diese Leistung auch beauftragt und bezahlt bzw. muss im Angebot mit kalkuliert werden.

Ob ein hydraulischer Abgleich in einer Bestandsanlage (aber auch in Neubauten) überhaupt notwendig ist, kann man selber auch erst einmal bei verschieden Außentemperaturen testen.
Hier könnte bzw. sollte man den Test nach 2 bis 3 Jahren noch einmal durchführen (wenn nicht inzwischen ein Thermischer Abgleich [Feinjustierung] durchgeführt wurde).
  • Alle Ventile voll aufdrehen oder die Thermostatköpfe abnehmen > eine längere Zeit heizen (dabei sollte möglichst keine Fremdwärme, wie z. B. Sonneneinstrahlung, viele Personen, E-Geräte, die Einfluss auf die Erwärmung der Räume hat, vorhanden sein) < die Raumtemperaturen prüfen. Die Temperaturen sollten möglichst in der Mitte des Raumes in Sitzhöhe gemessen werden. (Eine normgerechte Raumlufttemperaturmessung sollte in der Mitte des Raumes in 0,75 m und 1 m Höhe mit einem wärmestrahlungsgeschützem Thermometer mit einer Messabweichung von max. 0,5 K erfolgen).
  • Haben dann die Räume die gewünschte Temperatur, dann ist das in Ordnung. Natürlich müssen die "Wünsche" im Rahmen der Vernunft und der Heizflächenauslegung liegen.
  • Wenn die Räume zu warm oder zu kalt sind, dann kann man als nächstes die Systemtemperatur (Heizkurve) niedriger oder höher einstellen. Nach jeder Änderung, muss wieder längere Zeit geheizt werden.
  • Das Stellen an den Umwälzpumpen ist weniger sinnvoll. Die Pumpendrehzahl bzw. der Pumpendruck sollte so eingestellt werden, wie es die Rohrnetzberechnung vorgesehen hat. Die hoffentlich die Anlagenart (z. B. sollen Brennwert- oder Wärmepumpenanlagen eine geringe Temperaturspreizungen [4 bis 7 K] und niedrige Systemtemperaturen [Flächenheizung: 35/28 °C + 32/28 °C, Bauteilaktivierung: z. B. 28/24 °C] haben) berücksichtigt hat. Aber Vorsicht, eine zu hohe Fließgeschwindigkeit kann zu Heizungsgeräuschen führen.
  • Wenn durch diese Maßnahme nichts erreicht wird, dann muss der Abgleich neu bzw. erstmals durchgeführt werden.
Natürlich kann man auch gleich eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 erstellen, die Heizflächen überprüfen bzw. berechnen und anhand einer Rohrnetzberechnung die Einstellwerte einstellen :>))
Ein hydraulischer Abgleich kann keine Fehler in der Heizflächenauslegung (zu kleine HK) und der Hydraulik ausgleichen. Vor dem Abgleich müssen die fachlichen Gegebenheiten hergestellt werden.
Hier noch einmal der Hinweis, dass man die Rücklauftemperatur und die Temperaturdifferenzen (Vorlauf/Rücklauf) nicht einstellen kann, wie man es möchte, denn sie sind die Reaktionsgröße aus der Raumheizlast bzw. aus Massestrom, Heizfläche bzw. Heizflächenart und Raumtemperatur, wobei auch noch die Heizkurveneinstellung mitspielt.

Bei einigen Fördermaßnahmen ist der hydraulische Abgleich zwingend vorgeschrieben und muss entsprechend von einem Fachbetrieb mit entsprechenden Vordrucken bescheinigt werden. Damit ist aber nicht der Thermische Abgleich gemeint. In der Regel werden die Angaben nicht überprüft.
Bei der Wahl des Verfahrens A oder B sind die jeweiligen Fördertatbestände der Fördergeber zu beachten. Für die Förderung von Einzelmaßnahmen kann der hydraulische Abgleich auch nach dem 31.12.2016 nach Verfahren A durchgeführt werden. Bei der Förderung im Rahmen des KfW-Heizungspakets ist dagegen das Verfahren B vorgeschrieben. Auch bei der Bestätigung für ein KfW-Effizienzhaus bleibt Verfahren B Voraussetzung – hier ändert sich nichts. Für das Fachhandwerk werden über Verbandsorganisationen oder Hersteller bundesweit Schulungen für die Softwareberechnung angeboten.

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