Bei
Zementestrichen sollte die Größe der einzelnen Felder 40 m
2 nicht überschreiten. Sind Felder quadratisch, z. B. 6,50 x 6,50 m, und ist die thermische Belastung gering, so kann eher von der
Vorschrift abgewichen werden, als wenn eine große thermische Belastung in Verbindung mit abnormalen Abmessungen der Fläche vorliegt. Auch der jeweilige
Bodenbelag beeinflusst die Entscheidung, ob bereits eine Aufteilung der Fläche vorzunehmen ist. Bei
Estrichen mit keramischem
Bodenbelag ist zwar die
Temperatur im
Estrich geringer als bei einem
Estrich mit
Teppichbodenbelag, andererseits sind die
Temperaturunterschiede zwischen der Ober- und Unterseite des
Estrichs beim Keramikboden erheblich größer. Gerade darin liegt die besondere Gefahr einer Rissbildung im keramischen Oberbelag. Auf der Unterseite dehnt sich der
Estrich entsprechend einer Erwärmung von 10 °C auf ca. 40 °C, auf der Oberseite jedoch nur von 10 °C auf 29 °C. Aus vorgenanntem Grund müssen Bewegungsfugen bei keramischen Oberflächen besonders sorgfältig geplant und ausgeführt werden. Statistiken gerissener Keramikböden zeigen, dass nahezu alle Fälle auf zu geringe Ausdehnungsmöglichkeit zurückzuführen waren. Häufig wird bei großen Keramikflächen eine zusätzliche Bewehrung empfohlen, die nach Ansicht des Autors möglichst in der Oberschicht angeordnet sein müsste, weil sie nur dort die durch die
Temperaturunterschiede entstandenen Zugkräfte aufnehmen kann. In den Ausführungen der Merkblätter heißt es weiter: „Die Bewehrung mindert die Größe eines Risses, verhindert einen Höhenversatz, eine Rissbildung selbst kann sie nicht verhindern“.
Fugen bei Calcium-Sulfat-Fließestrichen
Im Gegensatz zu
Zementestrichen werden unbeheizte Calcium-Sulfat-Fließestriche bei üblichen Grund rissen in der Regel fugenlos ausgeführt. Selbst bei beheizten kompakten Großflächen (Sporthallen) kann man häufig auf Fugen verzichten. Im Gegensatz zu
Zementestrichen tritt bei Calcium-Sulfat-
Estrichen bei der Erhärtung nur eine geringe Schwindung auf. In jedem Fall ist aber bei beheizten Calcium-Sulfat-
Estrichen die wärmebedingte Ausdehnung so wie bei
Zementestrichen vorhanden. Während sich kompakte Flächen bei Erwärmung um ihren Schwerpunkt herum ausdehnen, kommt es bei anderen geometrischen Flächen zu zusätzlichen Spannungen, die verstärkt an den gemeinsamen Ecken der geometrischen Teilflächen auftreten. In Bezug auf die Geometrie gibt es folgende Grundrisse.
Unzergliederte geschlossene Flächen
L – Flächen
U – Flächen
Die Notwendigkeit von Fugen ergibt sich aus der jeweiligen Lage des Gesamtflächenschwerpunktes und einiger Längenbegrenzungen.
Kompaktfläche, Gesamtschwerpunkt in der Mitte
Bei starren Belägen wird ab 10 m Kantenlänge eine Fuge empfohlen, bei weichen Belägen ab 20 m Kantenlänge. Es sind jedoch zur Aufnahme der größeren Ausdehnung dickere
Randdämmstreifen erforderlich.
L-förmige Fläche, Gesamtschwerpunkt liegt
innerhalb der beiden Teilflächen.
Liegt der Gesamtschwerpunkt innerhalb beider Teilflächen, so wird eine Fuge empfohlen, wenn der kürzere Schenkel länger als 6 m ist.
L-förmige Fläche, Gesamtschwerpunkt liegt innerhalb eines Schenkels.
Liegt der Gesamtschwerpunkt der Flächen innerhalb eines Schenkels, und ist der kurze Schenkel länger als 3 m oder beträgt der Abstand zwischen Schwerpunkt und Ecke mehr als 3 m, so wird eine Fuge empfohlen.
L-förmige Fläche, Gesamtschwerpunkt liegt außerhalb der beiden Schenkel.
Liegt der Gesamtschwerpunkt außerhalb der Flächen, so ist in jedem Fall eine Fuge zu empfehlen.
U-förmige Fläche, Gesamtschwerpunkt liegt im Basismittelteil.
Ist einer der Schenkel a oder b länger als 3 m, so ist eine Fuge zu empfehlen.
U-förmige Fläche, Gesamtschwerpunkt liegt im Seitenfeld der Basis.
Liegt der Gesamtschwerpunkt der Flächen in einem Seitenteil der Basis, so wird eine Fuge empfohlen, wenn der gegenüber liegende Schenkel a länger als 3 m ist.
U-förmige Fläche, Gesamtschwerpunkt liegt innerhalb eines Schenkels.
Liegt der Gesamtschwerpunkt innerhalb eines Schenkels, so ist in jedem Fall eine Fuge zu empfehlen.
U-förmige Fläche, Gesamtschwerpunkt liegt außerhalb der Fläche.
Liegt der Gesamtschwerpunkt außerhalb der Fläche, so ist in jedem Fall eine Fuge zu empfehlen.
Die durch eine Fuge abgeteilte Restfläche ist wieder wie eine L-Fläche zu behandeln.