Wird ein Heizrohr halbkreisförmig gebogen, so verändern sich die Ausgangslängen eines gestreckten Rohrstückes gegenüber dem gebogenen Zustand in der Form, dass die Innenfaser gestaucht und die Außenfaser gestreckt wird. Lediglich eine in der Mitte des Rohres gedachte Linie, die neutrale Faser, ist sowohl im gestreckten als auch im gebogenen Zustand gleich lang. Die Verlängerung oder Verkürzung einer Randfaser ergibt, zur Ausgangslänge ins Verhältnis gesetzt, die jeweilige Dehnung des Rohrwerkstoffes. Wie groß diese einzelnen Werte bereits bei einem mit zulässigem Biegeradius gebogenen Rohrstück sind, soll das nachfolgende Beispiel zeigen. Ein Heizrohr der Dimension 17 x 2 mm soll halbkreisförmig mit einem Radius entsprechend 10 d (170 mm) gebogen werden.
Die gestreckte Länge des Rohres beträgt
I0 = 10 x 17 x 3,14 = 533,8 mm
Die äußere Randfaser hat einen neuen Radius von
r = 10 d + d / 2
Ia = (10 x 17 + 17 / 2) x 3,14 = 560,5 mm
Aus den Ergebnissen ist zu entnehmen, dass sich die äußere Faser des Rohres gegenüber der gestreckten Länge um 26,7 mm verlängert hat. Dem entspräche im vorliegendem Fall eine Materialdehnung von 5 %. Wird der Biegeradius des Heizrohres noch enger gestaltet, so treten entsprechend höhere Materialdehnungen auf, die zu einer nicht unerheblichen Beeinträchtigung der Lebensdauer führen können. Selbstverständlich sind Heizrohre aus PP und PB in dieser Hinsicht stärker gefährdet, als solche aus PE-X. Entsprechende Angaben über die zulässigen Biegeradien sind stets den technischen Informationen der Rohrhersteller bzw. Systemanbieter zu entnehmen. Bei Anwendung von Wärme können temperaturabhängig kleinere Biegeradien hergestellt werden. Dazu ist jedoch eine entsprechend genaue Temperaturführung erforderlich, die in der Baustellenpraxis meist nur unzureichend erfüllt werden kann. Andererseits dürfte beim Auftreten eines Schadens in einem Biegebereich der Nachweis, dass das Heizrohr mit entsprechend hoher Temperatur verlegt worden ist, außerordentlich schwierig werden.
In Bezug auf die Rohrverlegung kann man in zwei Systeme unterteilen:
1. Vorgegebener Verlegeweg durch rillenartige Vertiefungen, Umlenkteller etc.,
2. freie Verlegung durch entsprechende Auswahl der Rohrbefestigungspunkte.
Darüber hinaus unterscheidet man bei der Rohrverlegung zwischen
1. mäanderförmig (reihenförmig)
2. spiralförmig (schneckenförmig).
Da bei der reihenförmigen Verlegung jeweils am Ende der geraden Strecke eine Umkehrung der Rohrrichtung erfolgt, muss das Heizrohr halbkreisförmig gebogen werden. Will man den zulässigen Biegeradius des Heizrohres nicht unterschreiten, so kann man bei dieser Verlegeart kaum einen kleineren Rohrabstand als 20 cm erzielen. Ein besonderer Nachteil der vorgenannten Verlegeart besteht darin, dass der Umkehrbogen keinem geometrischen Kreisbogen mit festem Halbmesser entspricht. Vielmehr stellt sich eine spargelkopfähnliche Form mit viel zu kleinem Biegeradius an der Spitze ein.
Völlig anders bei der spiralförmigen Verlegung, bei der das Rohr zunächst schneckenförmig im doppelten Verlegeabstand bis hin zur Mitte des Heizkreises verlegt wird. An dieser Stelle wird eine S-förmige Wendeschleife verlegt. Die restliche Rohrverlegung des Heizkreises erfolgt mittig in den Zwischenräumen der zuvor verlegten Rohre. Bei dieser Art entstehen in den Ecken der Verlegeflächen nur Viertelkreisbögen, die in Bezug auf den Verlegeradius relativ großzügig gestaltet werden können. Dadurch entsteht zwar in den äußersten Ecken der Verlegefläche eine gewisse Fehlbelegung, doch ist die damit verbundene Herabsetzung der Heizleistung in Bezug auf die Leistung des Gesamtraumes derart klein, dass sie jederzeit vernachlässigt werden kann. Das gilt auch für die in der Mitte der Verlegefläche anzuordnende S-förmige Wendeschleife. Eine schonende Materialverlegung mit großen Biegeradien wird stets die Lebensdauer einer Fußbodenheizung begünstigen.