Eines der größten Versprechen, die ein Smart Home auch halten kann, ist das einer verbesserten Energieeffizienz. Tatsächlich kann ein smart ausgerüstetes Gebäude deutlich mehr Energie einsparen als eines, in dem der Fehlerfaktor Mensch das Regulieren der Energieflüsse übernimmt.
Smarte Thermostate können dabei helfen, Heizenergie zu sparen.
Bild: innogy Während der Nutzen beim Stromsparen mit drei bis fünf Prozent weniger Verbrauch eher übersichtlich, aber dennoch vorhanden ist, ist er bei den Wärmemengen mit bis zu 40 Prozent überragend. Anhand von Praxisbeispielen haben Fraunhofer-Forscher eine mögliche Wärmeenergieeinsparung für Familien im Neubau von 17 Prozent (Bestand: 18) ermittelt. Bei Senioren sind es 22 (20) Prozent und bei Singles 40 (35) Prozent. Und: In Gewerbeimmobilien sind die möglichen Einsparungen nochmals deutlich höher als in Wohnimmobilien. Allerdings lassen sich auch dort bereits durch einfache Digitalisierungsmaßnahmen wie smarte Thermostate, die auf Temperaturfühler und Bewegungssensoren reagieren, bis zu 25 Prozent der Heizenergie einsparen. Für solche Lösungen braucht es nicht mal eines übergeordneten Steuergerätes. Die Komponenten können direkt miteinander kommunizieren.
Smartness hilft beim Eigenstrom
Wenn eine Immobilie selbst Storm produziert, etwa mittels einer Photovoltaik-Anlage oder eines Blockheizkraftwerkes, und dieser Strom auch selbst genutzt werden soll, kommt man um eine smarte Steuerung nicht herum. Zum einen müssen die eigenen Verbräuche von den Mengen, die ins Netz eingespeist werden, fein getrennt und digital gemessen werden. Zum anderen soll ja immer die Energiequelle genutzt werden, die gerade am günstigsten zur Verfügung steht.
Wird ein Haus mittels einer Wärmepumpe beheizt, geschieht dies meist nachts mit einem extra dafür günstig gemachten Stromtarifs. Die produzierte Wärme wird in einen Pufferspeicher eingeleitet und tagsüber, wenn sie benötigt wird, ausgespeist. Steht jedoch tagsüber etwa mittels einer eigenen PV-Anlage genügend Strom zur Verfügung, um die Wärmepumpe arbeiten zu lassen, sollte dieser auch genutzt werden. Zwar kann man das auch händisch steuern. Doch wer nimmt sich die Zeit, tagsüber auf die PV-Produktion seiner Anlage zu schauen und zu checken, welche Wärmemengen der Pufferspeicher gleichzeitig aufnehmen könnte?
Eigenverbrauch wird immer sinnvoller
Bei Strompreisen von 30 Eurocent je kWh wird der Eigenverbrauch sinnvoll. Anlagen bis 10 kWp, die sich auf den Dächern deutscher Einfamilienhäuser befinden, sind fast immer zu groß für den normalen Verbrauch. Mit einem Großverbraucher wie Wärmepumpe oder E-Auto würde sich die Investition in intelligente Steuerung und Speicher wirtschaftlicher darstellen. Für E-Autos kann dann eben PV-Strom tagsüber abzweigt und in einer Batterie zwischengespeichert werden, so dass das Auto am Abend geladen werden kann. Ein Smart Home erledigt genau das von allein.
Bis zu 70 Prozent des auf dem eigenen Dach produzierten Stromes lassen sich so selbst nutzen. Ohne Steuerung und ohne Batterie, die intelligent beladen wird, wären es kaum 30 Prozent. In Zeiten, in denen erste Anlagen aus der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fallen, stellt sich genau diese Frage: Wenn mit dem Netzbezug nichts mehr zu holen ist – was tun mit dem Strom, der so oder so von einer Anlage produziert wird? Zumal deren Lebensdauer deutlich länger ist als der Förderzeitraum von 20 Jahren.
Eng mit der Energieeffizienz eines Hauses ist die Gebäudeautomation verbunden. Auch diese kann smart gesteuert werden. Neben Energieeinspareffekten lassen sich noch andere Vorteile erzielen. Darum soll es im nächsten Teil der Serie am 24.07.2020 gehen.
Unsere Serie zum smarten Heim umfasst folgende Teile:
Bereits erschienen:
01.07.2020 - Smart Home – ein allgemeiner Überblick
03.07.2020 - Smart Home – aktuelle Trends und Entwicklungen
06.07.2020 - Wann ist ein Zuhause„smart“?
08.07.2020 - Standards für ein smartes „Home“
10.07.2020 - Welche Normen und Gesetze sind zu beachten?
13.07.2020 - Wie plant man das smarte Zuhause?
15.07.2020 - Smarte Nachrüstung beim Bestandsbau – wie geht das?
17.07.2020 - Welche Komponenten machen „smarten“ Sinn?
20.07.2020 - Ein Gebäude mit smarten Mitteln sichern?
22.07.2020 - „Smart gespart“ - Durch Smart Home Energie einsparen?
Demnächst erscheinen:
24.07.2020 - Was bringt die smarte Steuerung der Haustechnik?
27.07.2020 - "Under control" - digitale Steuerung von unterwegs und per Sprache
29.07.2020 - Beispiele für smarte Gebäude