Bei Luft-Luft- und Luft-Wasser-Wärmepumpen kommt es besonders im Herbst und Winter durch niedrige Außentemperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit ganz natürlich zur Vereisung des Verdampfers, weil sich Wasserdampf an der kalten Fläche absetzt und dort gefriert. Eine leichte Reif- oder Eisbildung ist ein normaler physikalischer Vorgang und tritt besonders bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf.
Dieses Eis muss regelmäßig entfernt werden, um eine effiziente Wärmeübertragung zu gewährleisten. Der Abtauprozess erfolgt in der Regel automatisch durch die Wärmepumpe selbst. Dazu wird der Betrieb der Wärmepumpe kurzzeitig unterbrochen und die Abtauung gestartet. Das Eis auf dem Verdampfer wird durch ein Abtauverfahren (Heizung oder Heißgasabtauung) aufgetaut und das entstandene Wasser abgeführt. Eine regelmäßige Abtauung stellt sicher, dass die Wärmepumpe auch bei niedrigen Außentemperaturen eine hohe Leistung erbringt und somit eine effiziente Beheizung des Gebäudes gewährleistet.
Wichtig ist, dass die Abtauung einer Wärmepumpe automatisch gesteuert wird. Moderne Wärmepumpen verfügen über Sensoren, die die Eisbildung überwachen und bei Bedarf den Abtauvorgang auslösen. Der Abtauvorgang kann je nach Bedarf automatisch gestartet werden, basierend auf Faktoren wie Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit und Eisbildung. Dies gewährleistet einen effizienten und zuverlässigen Betrieb der Wärmepumpe auch bei kalten Witterungsbedingungen.
Es ist wichtig, die Herstellerangaben und -empfehlungen zu beachten, da diese spezifische Informationen zur Abtauung für das jeweilige Modell enthalten können. Die Hersteller von Wärmepumpen haben in der Regel Richtlinien für das Abtauen und können Informationen über die optimale Leistung und Effizienz der Wärmepumpe geben.
Darüber hinaus ist es ratsam, die Wärmepumpe regelmäßig zu überprüfen und zu warten, um sicherzustellen, dass sie ordnungsgemäß funktioniert. Ein professioneller Wartungsservice kann helfen, die Wärmepumpe auf mögliche Probleme im Zusammenhang mit Eisbildung oder anderen Betriebsstörungen zu überprüfen und gegebenenfalls Abhilfemaßnahmen zu ergreifen.
Wenn die Wärmepumpe nicht richtig abtaut, kann dies zu verschiedenen Problemen führen, hier einige mögliche Auswirkungen:
Reduzierte Heiz- oder Kühlleistung: Wenn sich Eis auf der Außeneinheit der Wärmepumpe bildet und nicht richtig abgetaut wird, kann dies die Wärmeübertragung beeinträchtigen. Das Eis wirkt wie eine Isolierschicht, die verhindert, dass die Wärmepumpe die Umgebungsluft effizient erwärmt oder abkühlt. Dadurch kann die Heiz- oder Kühlleistung der Wärmepumpe reduziert werden, was zu einem unzureichenden Raumkomfort führen kann.
Höherer Energieverbrauch: Die Eisbildung auf der Außeneinheit führt dazu, dass die Wärmepumpe härter arbeiten muss, um die gewünschte Heiz- oder Kühlleistung zu erbringen. Da das Eis die Wärmeübertragung behindert, muss die Wärmepumpe mehr Energie aufwenden, um das Eis zu überwinden und den gewünschten Effekt zu erzielen.
Schäden am System: Eine unzureichende Abtauung kann langfristig zu Schäden am Wärmepumpensystem führen. Wenn das Eis auf der Außeneinheit nicht regelmäßig entfernt wird, kann es zu Eisansammlungen kommen, die sich verfestigen und die Einheit beschädigen können. Die Eisbildung kann zu Korrosion, Leckagen, Festfrieren von Bauteilen und anderen mechanischen Problemen führen, die die Funktion der Wärmepumpe beeinträchtigen.
Vereisung der Rohrleitungen: Wenn das Eis nicht richtig abgetaut wird, kann es auch zu einer Vereisung in den Leitungen der Wärmepumpe kommen. Dies kann den Durchfluss des Kältemittels behindern und zu erhöhtem Druck und unzureichender Zirkulation führen. Die Vereisung der Leitungen kann das System beschädigen und die Lebensdauer der Wärmepumpe verkürzen.
Es ist wichtig zu beachten, dass moderne Wärmepumpen über Schutzmechanismen verfügen, die eine übermäßige Eisbildung erkennen und den Betrieb der Wärmepumpe unterbrechen können, um Schäden zu vermeiden. Dennoch ist es ratsam sicherzustellen, dass die Wärmepumpe ordnungsgemäß abtaut, um eine effiziente Leistung zu gewährleisten. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Wärmepumpe nicht richtig abtaut, ist es ratsam, sich an einen Fachmann zu wenden, um das Problem überprüfen und beheben zu lassen. Ein professioneller Wartungsdienst kann die Ursache für die unzureichende Abtauung feststellen und geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Leistung der Wärmepumpe wiederherzustellen.
Quelle: Boris Stippe, TiRo CheckEnergy GmbH
Obwohl das Thema Vereisung primär Luft-Wasser-Wärmepumpen betrifft, kann in sehr seltenen Fällen auch eine Sole-Wasser-Wärmepumpe vereisen. Dies bezieht sich dann jedoch nicht auf eine Außeneinheit, sondern auf Teile des Solekreislaufs oder den Verdampfer im Inneren der Wärmepumpe.
Eine Vereisung bei einer Erdwärmepumpe ist ein ernsthaftes Warnsignal und deutet fast immer auf ein größeres Problem hin:
• Zu geringer Soledurchfluss: Wenn die Solepumpe defekt ist, der Solefilter verstopft ist oder Luft im Solekreislauf zirkuliert, kann nicht genügend Wärme aus dem Erdreich zum Verdampfer transportiert werden. Die Soletemperatur sinkt stark ab.
• Unterdimensionierte Erdwärmequelle: Wenn die Erdwärmequelle zu klein für den Wärmebedarf des Gebäudes ausgelegt wurde, wird ihr zu viel Wärme entzogen. Die Temperatur der Sole kann dann unter den Gefrierpunkt fallen, was zur Vereisung des Erdreichs um die Kollektoren/Sonden und potenziell auch des Verdampfers führen kann. Dies ist ein schwerwiegender Planungsfehler.
• Kältemittelmangel oder defektes Expansionsventil: Ähnlich wie bei Luft-Wasser-Wärmepumpen können Probleme im Kältekreis dazu führen, dass der Verdampfer extrem kalt wird und die Restwärme aus der Sole nicht mehr ausreicht, um eine Vereisung zu verhindern.
• Vereisungsschutz der Wärmepumpe defekt: Auch Erdwärmepumpen haben Sicherheitseinrichtungen, die eine zu starke Abkühlung der Sole verhindern sollen. Sind diese defekt, kann es zur Vereisung kommen.
Folgen einer Vereisung bei Erdwärmepumpen:
• Drastischer Leistungsabfall und Effizienzverlust.
• Mögliche Schäden am Verdampfer oder anderen Komponenten des Kältekreises.
• Bei Vereisung des Erdreichs kommt es zu langfristiger Schädigung der Erdwärmequelle und reduzierter Regenerationsfähigkeit.
Wenn Sie eine Vereisung an Ihrer Erdwärmepumpe oder im Solekreislauf feststellen – z. B. Eisbildung an Rohren des Solekreislaufs, sehr niedrige Soletemperaturen im Display oder Fehlermeldungen –, sollten Sie die Anlage umgehend ausschalten und einen spezialisierten Fachbetrieb für Erdwärmepumpen kontaktieren. Hier sind Selbsthilfeversuche meist nicht zielführend und können die Situation sogar verschlimmern.
Quelle: Ariane Müller, TapTapHome, by DAA GmbH