Der Sauerstoffgehalt des
Wassers kann relativ einfach gemessen werden. Bei dem Messsystem Orbisphere 2713 wird der Strom gemessen, der zwischen einer
Anode und einer Kathode bei konstanter Spannung fließt. Je nach dem, wieviel Sauerstoff an die Kathode gelangt, ändert sich der Strom, so dass eine Proportionalität zwischen Sauerstoff und Strom besteht. Beim Materialprüfungsamt Nordrhein-Westfalen wird eine Prüfanordnung gemäß Abb. 11.1. verwendet.
In einem geschlossenen Kreislauf, der mit einem Membranausdehnungsgefäß abgesichert ist, wird das Umlaufwasser in einem
Wärmetauscher WT erwärmt und von der Umwälzpumpe P umgewälzt. Etwa vorhandener Sauerstoff wird in dem Reaktionsbehälter RB entzogen. Er besteht aus verzinktem
Stahlrohr, das mit
Zinkblechabschnitten gefüllt ist. Der Entzug erfolgt nach der chemischen Reaktion.
Nach dem Reaktionsbehälter beträgt der Sauerstoffgehalt < 1μg / l. Unter der Voraussetzung, dass der Sauerstoffgehalt vor dem Eintritt in das
Kunststoffrohr vernachlässigbar klein ist, kann bei Kenntnis der Verweilzeit tverw die
Diffusionsgeschwindigkeit vDiff bestimmt werden
Die Verweilzeit tverw errechnet sich aus dem im
Kunststoffrohr eingeschlossenen
Wasservolumen V
Rohr und dem am Durchflussmesser D ermittelten Volumenstrom Q nach
Mit dem Rohrdurchmesser d, der Wanddicke s und der Rohrlänge L beträgt das Volumen des Heizrohres V
Rohr
Bei Angabe der Sauerstoffkonzentration C (O
2) in μg / l errechnet sich die
Diffusionsgeschwindigkeit
Da die
Diffusionsgeschwindigkeit stark temperaturabhängig ist, müssen jeweils an Eintritt und Austritt des
Kunststoffrohres die
Temperaturen t
1 und t
2 gemessen werden. Die an der Sauerstoffmeßstelle SM gemessene Konzentration wird der mittleren
Temperatur zwischen t1 und t
2 zugeordnet. Für den Vergleich verschiedener Werkstoffe wird zweckmäßigerweise nicht die
Diffusionsgeschwindigkeit, sondern der
Permeationskoeffizient herangezogen. Die Messergebnisse für verschiedene Werkstoffe sind in Tab. 11.1 dargestellt. Die große Streuung ist auf die vielen Modifikationsmöglichkeiten der einzelnen Grund werkstoffe zurückzuführen.
Die Mittelwerte sind nochmals in der nachfolgenden Graphik Abb. 11.2. dargestellt.
Als besonders interessant erweist sich ein außerordentlich großer Streubereich bei den PE-X-
Rohren. Gerade hierfür bestehen aufgrund der vielen unterschiedlichen Herstellungs- und Vernetzungsverfahren unterschiedliche Materialeigenschaften und Vernetzungsgrade, die scheinbar für die große Streuung der Sauerstoffdurchlässigkeit verantwortlich sind. Aufgrund der Ergebnisse ist stets bei Verwendung von PP-Rohr, insbesondere in Verbindung mit hohen Betriebstemperaturen, mit größerem
Korrosionsrisiko zu rechnen. Sowohl aus dem
Permeationskoeffizienten P als auch aus der
Diffusionsgeschwindigkeit v
Diff lassen sich die eindringenden Sauerstoffmengen für jede Anlagensituation und jeden Heizrohrwerkstoff be rechnen.
Die Prüfung erfolgt an einem Rohrabschnitt von 25 m Länge, die um einen Kern mit einem Durchmesser von 5 x d gewickelt sind (d = mittlerer Außendurchmesser des
Rohres). Die gewickelte Rohrlänge ist fest am Wickelkern zu fixieren. Nach der Montage folgt eine 24-stündige Relaxationszeit ohne Belastung. Danach wird das Rohrsystem einer
Temperaturwechselbelastung mit einer Schaltzeit von (60 ± 30) s unterworfen, wobei im Wechsel 15 Minuten warmes
Wasser von 70 °C ± 2 K und 15 Minuten kaltes
Wasser von ≤ 20 °C durch das Rohr strömt bei einem Innendruck von 3 bar. Diese
Temperaturwechselbelastung wird über 28 Tage aufrecht erhalten. Im Anschluss daran erfolgt die Messung der Sauerstoffdurchlässigkeit mit
Wasser bei 40 °C ± 2 K, gemessen am Einlauf und Auslauf des Rohrsystems. Die Messapparatur muss Fehlergrenzen G = 0,02 mg / (L · d) haben.