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Autoren
OldBo
25.01.2010

Radtke 31.07.2009
In der Vergangenheit wurden Kirchen bereits mit den unterschiedlichsten Beheizungssystemen ausgerüstet. Es kamen Deckenstrahlungsheizungen auf Basis Gas, Luftheizungen und Heizkörper bzw. Konvektoren entlang der Außenwände zum Einsatz.
In der Vergangenheit wurden Kirchen bereits mit den unterschiedlichsten Beheizungssystemen ausgerüstet. Es kamen Deckenstrahlungsheizungen auf Basis Gas, Luftheizungen und Heizkörper bzw. Konvektoren entlang der Außenwände zum Einsatz. Da Kirchenbauten normalerweise sehr hoch sind, ist auch die für den Wärmeverlust nach außen verantwortliche Umfassungsfläche relativ groß. Heizkörper und Konvektoren entlang der Außenwände können den empfindlichen Fußbereich der Kirchenbesucher kaum oder nur unbefriedigend erreichen. Statt dessen wird die in den Heizkörpern erzeugte oder über Kanäle eingeblasene Warmluft sofort nach oben steigen und den Luftraum oberhalb der Kirchenbesucher unnötigerweise erwärmen. Über die großen Umfassungsflächen des Kirchengewölbes wird wertvolle Energie nach außen abgegeben.

Ausgeführte Anlagen mit Deckenstrahlungsheizung haben sich ebenfalls nicht bewährt. Aus optischen und schalltechnischen Gründen kann man den Bereich dicht oberhalb der Kirchenbesucher nicht vollständig mit einer Deckenstrahlungsheizung ausrüsten. Statt dessen wurden in ausreichenden Abständen kleine, wabenartige, gasbetriebene Strahlungsheizungen angebracht, die mit höherer Betriebstemperatur eine Zustrahlung auch über größere Entfernung bewirken sollten. Wenngleich die Nachteile der Erwärmung des oberen Luftraumes und die damit verbundene Energieverschwendung ausgeschlossen war, hat sich das relativ kostengünstige System nicht weit verbreitet. Im empfindlichen Fußbereich ist ebenfalls wegen der Zustrahlung von oben keine Behaglichkeit zu erreichen.

Neu errichtete Kirchen werden heutzutage überwiegend mit Fußbodenheizung ausgestattet. Der Vorzug besteht darin, dass behagliche Wärme nur im bodennahen Bereich, da wo sich die Kirchenbesucher aufhalten, benötigt wird. Eine Beheizung des Luftraumes oberhalb der Kirchenbesucher wird vermieden. Die Verweilzeit der Kirchenbesucher beträgt im Durchschnitt ca. 1 Stunde. Sie sind auch wärmer angezogen, als man es in beheizten Wohnräumen voraussetzt. Somit kann man bei der Planung der Kirchenbeheizung von anderen Voraussetzungen ausgehen, als es in Wohnräumen üblich ist. An den meist hohen Außenwänden, in Verbindung mit großen Glasflächen, wird ohne Zusatzheizung in Form von Konvektoren oder Heizkörpern, bei sinkender Außentemperatur eine intensive nach unten gerichtete Kaltluftströmung entstehen. Die Intensität hängt ab von:

1. der jeweiligen Außentemperatur

2. dem Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenwand

3. der Höhe der Außenwand

4. dem Fensteranteil in der Außenwand

Im Bodenbereich wird die auftreffende Kaltluftströmung umgelenkt und ins Innere der Kirche geleitet. Dabei trifft sie auf die sich im Randbereich der Kirche aufhaltenden Besucher. Erfahrungen ausgeführter Objekte haben jedoch gezeigt, dass eine Beeinträchtigung der Behaglichkeit im Randbereich erst bei Außentemperaturen unterhalb von 0 °C zu erwarten ist.

Während in herkömmlichen Wohnbereichen die Auslegung der Fußbodenheizung nach der Wärmebedarfsberechnung erfolgt, kann man in Kirchen auf die Wärmebedarfsberechnung völlig verzichten. Hier reicht es aus, je nach Außentemperatur, die Oberflächentemperatur des Fußbodens auf bis zu 29 °C anzuheben.

Nun wird bei Kirchen nicht ständig die Oberflächentemperatur des Bodens konstant gehalten. Erst zum Gottesdienst oder sonstigen Veranstaltungen wird die Oberflächentemperatur rechtzeitig erhöht. Während dieser Aufheizphase, die relativ kurz gehalten wird, muss dem Fußboden eine vergleichsweise hohe Wärmemenge zugeführt werden. Deshalb hat man bei der Projektierung folgendes zu berücksichtigen:

1. Verfügbare Wärmeleistung der Kesselanlage, ca. 200 W / m2 Bodenfläche.  

2. Ausreichend enger Verlegeabstand (ca. 150 mm) der Heizrohre im Boden, um die Wärme relativ schnell an den Boden abgeben zu können.

3. Ausreichend große Rohrquerschnitte, angemessene Kreisgrößen und großzügige Pumpendimensionierung, um die Wärme bestmöglich übertragen zu können.

Wegen der gewünschten Schnellaufheizung sollte man auf wärmedämmende Bodenbeläge wie Teppich, Holz, Parkett etc. verzichten und statt dessen mit Fliesen oder Betonstein arbeiten. Es sind auch Kirchen bekannt, bei denen der Estrich als Waschbeton ausgeführt wurde. In allen Fällen ist darauf zu achten, dass möglichst temperaturunempfindliche Keramik- oder Natursteinböden verwendet werden.

Quellen
Das ABC der Flächenheizung und Flächenkühlung Winnenden: Heizungs-Journal Verlags-GmbH, ISBN 3-924788-16-2
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