Bei technischen Infrastrukturen handelt es sich um technisch und organisatorisch hochkomplexe, kapitalintensive und raumwirksame Einrichtungen materieller und institutioneller Art, die über die Bereitstellung von kritischen Dienstleistungen das Funktionieren moderner Gesellschaften und arbeitsteiliger Volkswirtschaften ermöglichen. Hierzu zählen die leitungsgebundene Versorgung mit Elektrizität, Gas, Fern- und Nahwärme sowie Wasser, die Entsorgung von Abwässern und Abfällen, die Informations- und (Tele-)Kommunikationssysteme ebenso wie die verschiedenen Transportsysteme. Technische Infrastrukturen gewährleisten den Fluss von Wasser, Energie, flüssigen und festen Abfällen, digitalen und analogen Signalen, Menschen, Gütern und Dienstleistungen im Raum zumeist über technische Netze wie Rohre, Leitungen, Straßen, Schienen (Verkehrsinfrastruktur) und Kanalisationen.
Technische Infrastruktursysteme sind infolge technischer Innovationen entstanden. Spezifische Techniken – z. B. Kraftwerke, Netze – prägen ihre institutionell-organisatorische Struktur, das soziale Handeln und die sozialen Beziehungen von Nutzern, Betreibern, Planern etc. Andererseits sind diese Systeme sozial konstruiert, d. h., spezialisierte Berufsgruppen, eine spezielle Wissensbasis, rechtliche Normen, Standards, technische und planerische Leitbilder, kulturelle Kontexte, Nutzungspraktiken etc. prägen die Genese und den Wandel von Infrastruktursystemen. Sie sind demnach "socially constructed and society shaping“ .
Um technische Infrastruktursysteme analytisch zu erfassen, sind folgende Komponenten zu unterscheiden:
(1) materielle Strukturen, also technische Artefakte und Netze zur Produktion und Nutzung von Infrastrukturdienstleistungen, sowie die hierdurch gesteuerten Stoffflüsse,
(2) die Industrie- und Nutzungsstrukturen, also die institutionellen Arrangements und Praktiken zur Produktion und Nutzung von Infrastrukturdienstleistungen, sowie
(3) die Governancestrukturen (Governance - Unternehmensführung oder Regierungsführung), im Rahmen derer staatliche Akteure gemeinsam mit Wirtschafts- und zivilgesellschaftlichen Akteuren die Planung und Gewährleistung öffentlicher Infrastrukturdienstleistungen organisieren.
Insbesondere die neuere Infrastrukturforschung weist darauf hin, dass diese technischen und gesellschaftlichen Komponenten eng miteinander gekoppelt sind (z. B. technische Netze und Anlagen, technische und soziale Normen, organisatorische Praktiken der Unternehmen, Regulierungsinstitutionen, Nutzungspraktiken, Wissensbestände). Es bilden sich insofern in der Regel kohärente, eng gekoppelte Konstellationen technischer und sozialer Komponenten heraus – sogenannte sozio-technische Regime. Diese prägen die Richtung von Innovationsprozessen und den Grad technologischer und sozialer Variation.
Quelle: Jochen Monstadt, ARL
Technische Infrastruktur
• Energieversorgung: Elektroenergie, Gasversorgung, Fernwärme, erneuerbare Energien (Wind, Wasser, Photovoltaik), Tankstellennetz
• Kommunikation: Rundfunk, Internet, Festnetz-Telefonie, Mobilfunk, Postwesen
• Stoffliche Ver- und Entsorgung: Müllentsorgung, Abwasser, Wertstoffverwertung, Trinkwasser
• Verkehrsinfrastruktur:
- öffentlicher Verkehr mit Seeschifffahrt, Binnengewässern (Binnenschifffahrt), Eisenbahnen (Nah- und Fernbahn), Öffentlicher Personenverkehr (ÖPNV und Personenfernverkehr, Fernbus), Luftverkehr (Flughäfen), Straßenverkehr (Straßen), Schiffsverkehr (Wasserstraßen), Navigationsfunksender für Luft- und Seefahrzeuge
- Individualverkehr: Verkehrswege, Radwege, Radwanderrouten usw.
• Finanz-, Banken-, Steuer- und Währungssysteme