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Autoren
OldBo
21.06.2014
Vor dem Anbringen von thermischen Solar- und PV-Kollektoren sollte geprüft werden, ob das Dachmaterial aus Asbest besteht. Bei Arbeiten an asbesthaltigem Material (z. B. Asbestzementplatten) sind besondere Vorschriften zu beachten und sind nur durch geschultes Personal zulässig.
Weißasbest
 Weißasbest
Quelle: Bosy
Asbestfasern
 Asbestfasern
Quelle: Bosy
Asbestfasern
 Asbestfasern
Quelle: Bosy
Verteilung der Asbestanwendung auf Erzeugnisgruppen
 Verteilung der Asbestanwendung auf Erzeugnisgruppen
Quelle: BBSR
Weichasbesterzeugnis „Kautasit“ als Dichtungsmaterial für wassertechnische Anlagen und für Rohrleitungsflansche
 Weichasbesterzeugnis „Kautasit“ als Dichtungsmaterial für wassertechnische Anlagen und für Rohrleitungsflansche
Quelle: BBSR
Asbestzement-Dachplatten
 Asbestzement-Dachplatten
Quelle: Bosy
Vor dem Anbringen von thermischen Solar- und PV-Kollektoren sollte geprüft werden, ob das Dachmaterial aus Asbest besteht. Bei Arbeiten an asbesthaltigem Material (z. B. Asbestzementplatten) sind besondere Vorschriften (BG Bau, TRGS 519, TRGS 517, Übersicht über EU-Vorschriften) zu beachten und sind nur durch geschultes Personal zulässig.

Asbest (hauptsächlich > (Klino-) Chrysotil (Mg,Fe,Ni)3Si2O5(OH)4 [Weißasbest]) ist mit Zement sehr gut mischbar, verrottungsfest und hat eine höhere gewichtsspezifische Zugfestigkeit als Stahldraht. Deshalb wurde es zur Dachdeckung und Hausverkleidung (Asbestzementplatten [Eternit]) verwendet. Aber auch in der Haustechnik wurde Asbest als Brandschutz (Spritzasbest), Dämmmaterial (Nachtspeicheröfen, Rauchrohre, Heißwasser- und Dampfleitungen). Dichtungen, Dichtschnüre), Abwasserleitungen und Luftkanäle eingesetzt, weil es gegen Hitze bis etwa 1000 °C, viele Chemikalien sehr widerstandsfähig und schwache Säuren beständig ist. Aber durch die sehr feinen Fasern ist das Material sehr langlebig.
Das Problem in der Praxis ist, dass sich bei einem unsachgemäßen Umgang und Bearbeiten (z.B. mit Bohrmaschinen oder Winkelschleifern) asbesthaltiger Materialien Asbestfasern freigesetzt werden. Die Fasern mit einer Faserlänge von kleiner als 5 µm und einem Durchmesser von max. 3 µm können in die Lunge gelangen und schon bei einer geringen Belastung z. B. Asbestose auslösen.

Die Asbestfaser ist seit 1970 offiziell als krebserzeugend eingestuft. 1979 wurde Spritzasbest in Westdeutschland verboten. 1993 wird die Herstellung und Verwendung von Asbest in Deutschland generell verboten wurden. Seit 2005 gibt es ein EU-weites Verbot.

Über die folgenden Hinweise ist es auch dem "Nichtfachmann" bzw. Privatmann/-frau die Identifikation asbesthaltiger Bau- und Dämmstoffe möglich. Auch der private Bauherr muss die bei der Asbestentsorgung zu berücksichtigenden gesetzlichen Regelungen und einzuschlagenden Entsorgungswege einhalten.

· Form
Bauteilgeometrie, Wellplatte, ebene Platte, Rohr etc.
· Farbe
in der Regel weißgrau oder grau, graubraun oder bläulich
· Struktur
Fasern visuell erkennbar; unter der Lupe manchmal durch sich aufspaltende Faserbüschel gekennzeichnet
· Klang
Hohler Klang lässt bei Wänden auf Leichtbau schließen; nähere Untersuchungen sind notwendig; harter schallender Klang kann auf Asbestzementplatten hinweisen.
· Festigkeit
Spritzasbest ist weich und ist leicht einzudrücken.
· Ritzbarkeit
Leichte Platten sind leicht ritzbar und leicht zu zerbrechen.
· Härte und Sprödigkeit
Asbestzementplatten sind extrem hart und brechen spröde.

Die Entsorgung asbesthaltiger Abfälle darf nur durch zertifizierte Betriebe stattfinden. Zuständig sind die Hausmülldeponien oder örtliche Recyclinghöfe, die den Asbestzement zur Deponie bringen. Die asbesthaltigen Abfälle müssen luftdicht transportiert und in "Big Bags" abgelagert und mit mineralischem Material abgedeckt, werden, so dass keine Faserfreisetzung mehr möglich ist.

Besonders asbestbelastete Berufsgruppen in der Altersgruppe ab 50 Jahre:
· Isolierer
· Dachdecker
· Klempner (Spengler)
· Heizungs- und Lüftungsbauer
· Gas- und Wasserinstallateure
· Ofenbauer
· Schweißer
· Fliesenleger
· Elektriker
· Bauarbeiter (Maurer, Zimmerleute)
· Kraftfahrzeugtechniker
· Schlosser

Durch Ersatzstoffe kann fast vollständig auf die Verwendung von Asbest verzichtet werden. So wird bei niedrigen und mittleren Temperaturen die weniger gesundheitsschädliche Glas- oder Steinwolle eingesetzt. Bei hohen Temperaturen werden Wollastonitfasern (wird innerhalb weniger Wochen im Körper vollständig abgebaut) oder künstliche Keramikfasern verwendet.

Krankheiten durch Asbestfasern
Asbestose / Asbeststaublunge
Die Asbestose ist eine Staublungenkrankheit, die durch eingeatmeten Asbeststaub hervorgerufen wird. Sie entsteht durch eine zunehmende Bindegewebsvermehrung in der Lunge (Lungenfibrose) und bewirkt auch nach Expositionsbeendigung mit  fortschreitender Krankheit zunehmende Atemnot, Lungenfunktionsstörungen und in  schweren Fällen Ateminvalidität. An Asbestose leidende Patienten erkranken außerdem häufiger an bösartigen Lungentumoren. Die Latenzzeit, also der Zeitraum zwischen Exposition und Ausbruch der Asbestose,  beträgt meist 15 Jahre und mehr.

Pleuraplaques (Bindegewebsvermehrung im Bereich des Brustfells)
Unter Pleuraplaques versteht man eine Bindegewebsvermehrung im Bereich des Brustfells (Pleura) als Folge einer chronischen Entzündung. Sie tritt nach relevanter beruflicher  Asbestexpositionen auf. In den meisten Fällen werden sie zufällig entdeckt. Pleuraplaques   werden als Berufskrankheit registriert, sie führen in der Regel weder zu Beschwerden noch zu einer Lungenfunktionseinschränkung.

Bronchialkarzinom (Lungenkrebs)
Bei hoher langjähriger Asbeststaubexposition ist mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko  zu rechnen. Dabei unterscheidet sich der durch Asbest ausgelöste Lungenkrebs  nicht von anderweitig verursachten Bronchialkarzinomen. Ob jemand Raucher war, spielt bei der Anerkennung als Berufskrankheit keine Rolle.

Malignes Mesotheliom (Bösartiger Tumor des Brustfells bzw. des Bauchfells)
Ein malignes Mesotheliom ist ein bösartiger Tumor (Krebs), der vom Brustfell (Pleura) und seltener vom Bauchfell (Peritoneum) ausgeht. Die Krankheit verläuft praktisch immer tödlich. Die Latenzzeit beträgt 20 – 40 Jahre und mehr. Mesotheliome können schon bei geringeren Asbestdosen auftreten, als sie für Asbestosen typisch sind.
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