Die Sommer bringen zunehmend mehr Hitze mit sich, die nicht nur für ältere und chronisch kranke Menschen gefährlich sein kann. Für alle Menschen sind Hitzschlag und Hitzeerschöpfung gesundheitsrelevante Themen. Nur wenn man die Gefahren kennt, kann man sie zu vermeiden. So engagiert sich z.B. seit 1952 die Johanniter-Unfall-Hilfe im Bevölkerungsschutz, der neben Katastrophenbewältigung auch die Stärkung der Resilienz* und Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung umfasst. Es ist deren Mission, durch gezielte Prävention die Folgen von Hitzewellen für die Bevölkerung abzuschwächen.
* Resilienz bezeichnet die Fähigkeit jedes Einzelnen, aber auch der Gesellschaft und des Staates, sich angesichts aktueller und zukünftiger Herausforderungen schnell und entschlossen anzupassen und zu erholen. Sie ist von großer Bedeutung, um Deutschland zukunftsfähig zu machen und die Sicherheit sowie den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Da der Staat allein nicht alle Aufgaben bewältigen kann, ist die aktive Mitwirkung der Bevölkerung sowie starker Partner aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft unerlässlich, um auftretende Lücken zu schließen und die Gesellschaft krisenfest zu machen.
Hohe Temperaturen können eine Herausforderung für unseren Körper sein. Insbesondere Hitzewellen, bei denen die Temperaturen an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen über 28 °C liegen, stellen eine Belastung dar. In Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit wird der natürliche Kühlmechanismus des Körpers weniger wirksam > das Schwitzen. Während ein Sonnenbrand in der Regel keine akute Lebensgefahr darstellt, können Zustände wie Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag lebensbedrohlich sein.
Technische Maßnahmen sind der effektivste Ansatz, um Temperaturen von Gebäuden und Innenräumen zu beeinflussen. Dazu gehören auch Baumaßnahmen, die den Hitzeschutz berücksichtigen. Wichtig ist, dass man Maßnahmen rund ums Bauen und Renovieren rechtzeitig und wiederkehrend angeht. Ein langer Atem ist also erforderlich – doch das Engagement lohnt sich, um gegen zu viel Wärme von draußen gewappnet zu sein.
Wärmeeintritt ins Gebäude verhindern
Bei den technischen/baulichen Maßnahmen zum Hitzeschutz sind diejenigen am wirksamsten, die dem Eindringen von Wärme in das Gebäude entgegenwirken.
• Gebäudehülle: Wärmeschutz mittels geeigneter Materialauswahl für die Dämmung.
• Helle Dachfarben wählen. Sie reflektieren Sonnenstrahlen.
• Sonnenschutzsysteme: Wärmeeintrag durch Sonneneinstrahlung minimieren, zum Beispiel über die Installation von Jalousien, Rollos und Lamellenstores – idealerweise mit Steuerung nach dem Sonnenverlauf.
• Dachoberlichter: Lichtstreuende Materialien oder Verglasungen mit integrierten Lamellenrastern verwenden.
• Automation: Einbau von elektrischer Fenstersteuerung oder Steuerung der Lüftungsanlage.
• Bei großen Glasflächen: Ggf. weitere geeignete Maßnahmen ergreifen (z. B. Einsatz von Spezialglas).
• Begrünte Dächer und Fassaden sowie fassadennahe Bepflanzung verringern die Aufheizung der Gebäudehülle.
• Entsiegelung gebäudenaher Außenflächen (z. B. in Innenhöfen) reduziert die Wärmestrahlung auf das Gebäude.
Wärme aus dem Gebäude transportieren
• Stationäre Klimaanlagen installieren.
• Mobile Klimageräte können Sie flexibel in verschiedenen Räumen einsetzen.
• Kühldecken oder Kühlwände einbauen.
• Nachtlüftung, Nachtauskühlung zum Beispiel durch gezielte Steuerung von Lüftungsanlagen oder mechanisch betriebenen Fensteröffnungen (Gebäudeautomation)
Temperaturen im Gebäude erträglicher machen
• Ventilatoren: Je nach Situation Tisch-, Stand-, Turm- oder Deckenventilatoren einsetzen.
Kommunen setzen sich seit langem für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel ein. Dabei spielt auch der Schutz der Gesundheit eine wichtige Rolle, insbesondere angesichts zunehmender Hitzebelastungen, die durch sogenannte Wärmeinseleffekte in dicht bebauten Gebieten oft noch verstärkt werden. Der Kommune als "Dach-Setting" (alle Lebenswelten vereinen) kommt beim Hitzeschutz eine besondere Bedeutung zu. Im Bereich der Verhältnisprävention sind die Kommunen gestalterisch tätig, indem sie Netzwerke initiieren oder hitzetaugliche Infrastrukturen schaffen wie öffentliche Schattenplätze. Gleichzeitig werden im Sinne der Verhaltensprävention die Bevölkerung und gezielt besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen über Vorsorgemaßnahmen aktiv informiert.
Der Hitzeschutz in einer Kommune soll verbessert werden. In einem Katalog werden konkrete Maßnahmen angeboten, die in Kommunen umgesetzt werden können. Gute Beispiele und ausgewählte Materialien helfen bei der Umsetzung, um die Bevölkerung besser vor Hitze zu schützen.
Einige Maßnahmen
• Öffentliche Verbreitung der Hitzewarnung des Deutschen Wetterdiensts – Kommunikation von Hitzewarnungen an die breite Bevölkerung und an sensible Einrichtungen
• Sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden für angenehme Innenraumtemperaturen
• Zusammenstellung von kühlen Orten in der Stadt – Information und Sensibilisierung
• Temporäre Kühlung öffentlicher Plätze mit Wasser – Sprühnebelduschen, perforierte Schläuche u. ä.
• Kühlung von Gebäuden – insbesondere Kindertagesstätten, Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen
• Schulung von Personal in Pflegeeinrichtungen – Hitzeschutz von pflegebedürftigen Menschen
• Stadtklimaanalyse – Ermittlung von hitzegefährdeten Gebieten in der Stadt
• Checklisten für hitzegerechte Veranstaltungen – Empfehlungen für die Planung von Veranstaltungen im Sommer
• Zentrale Koordinierungsstelle für die Erstellung und Umsetzung eines Hitzeaktionsplans
• Hitzeschutz in Schulen – Anpassung des Schulbetriebs und der Gebäude