Das Wohnen und Arbeiten in der Zukunft wird ein erhebliches Umdenken der Lebens- und Arbeitsgewohnheiten nach sich ziehen. Wachsende Städte, knapper werdender (vor allen bezahlbarer) Wohnraum, notwendige Mobilitätsänderungen und der Klimawandel (z. B. Stadtklima) verlangen eine total neue Planung bei dem Um- und Neubau.
Auch die besondere Hausarten werden das Wohnen verändern. So ist z. B. bei Singles und kinderlosen Paaren das Minihaus voll im Trend. Die Bauarten der Häuser sind sehr umfangreich und erfüllen alle Wohnwünsche. Das Angebot geht über Häuser auf Rädern (Tiny-Haus) zu Gartenwohnhäusern bis hin zu super gestylten Häusern. Der neueste Trend ist das "Leben auf dem Wasser". Dabei geht es um ein autarkes Leben auf und mit dem Wasser in einem Hausboot, Schwimmhaus, Wohnboot oder Wohnschiff.
Energieeffizientes und CO2-neutrales Wohnen
Im Vordergrund wird sicherlich notgedrungen das energieeffiziente und CO2-neutrale Wohnen stehen. Aufgrund des Klimawandels muss der Weg mittel- bis langfristig weg von fossilen Brennstoffen (Kohle, Heizöl, Erdgas, Holz) sein. Das setzt einerhebliches Umdenken der heutigen Gewohnheiten voraus.
So sind heute schon das Niedrigenergiehaus bzw. KfW-Effizienzhaus und zunehmend das Passivhaus das Maß der Dinge bei der klimaschützenden Bauplanung. Auch werden die Gebäude der Zukunft selbst zu kleinen, umweltfreundlichen Kraftwerken.
Dann spricht man vom Plusenergiehaus bzw. Energiegewinnhaus das 100 % erneuerbare Energie für den emissionsfreien Betrieb produziert und überflüssige Energie ins öffentliche Netz einspeist. Durch den konsequenten Einsatz von Photovoltaik erzielen Energiegewinnhäuser eine positive Energiebilanz und können oft noch Strom für andere Nutzer zu Verfügung stellen. Dies wird über eine Einspeisung ins Netz oder im Verbund mit der Nachbarschaft erreicht.
Ein anderer Weg ist der konsequente Einsatz von Fern- und Nahwärme in Städten und verdichteten Wohngebieten. Es gibt Länder (z. B. Dänemark) die voll auf diese Wärme setzen. Die Begründung ist > "Warum muss jedes Haus einen eigenen Wärmeerzeuger haben".
Nachhaltiges Wohnen
Zum nachhaltiges Wohnen in der Zukunft gehört auch, dass beim Bauen umweltschonende und recycelbare Werkstoffe eingesetzt werden. CO2-neutrale Materialien sind z. B. Holz, Steine, Lehm und Beton mit recycelbarem Material. Außerdem müssen Baustoffe nach der Nutzungszeit von Gebäuden wiederverwendet werden können. Das gilt auch für konventionelle Baustoffe (Stahl, Beton, Bauschutt). Ein neue Möglichkeit für das umwelt- und ressourcenschonende Bauen bieten auch Häuser aus dem 3D-Betondrucker. Aber auch bei der Inneneinrichtung geht der Trend weg von der Wegwerfgesellschaft zu hochwertigen und wiederverwendbaren Produkten. Hier geben Zertifizierungen Hinweise auf die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, den schonenden Umgang mit Ressourcen, Schadstofffreiheit und faire Produktionsbedingungen.
Konzeptionelles Wohnen
In der Zukunft muss auch platzsparend gebaut werden (Konzeptionelles Wohnen [Conceptual Living]). Wo nicht für jeden Nutzungsbereich ein eigenes Zimmer zur Verfügung steht, werden Räume multifunktional eingerichtet. Modulare und flexibel einsetzbare Möbelsysteme, die auf die individuelle Grundfläche und Raumzonen anpassbar sind, lösen starre Strukturen ab. So findet selbst auf kleiner Fläche alles seinen Platz. Diese konzeptionellen Wohn- und Einrichtungsideen werden bereits beim Tiny House (Mini-Haus) eine umweltfreundliche Alternative zu Mietwohnungen bieten. Angetrieben durch den Wunsch nach natürlichem Wohnen, mehr Achtsamkeit und Nachhaltigkeit im Alltag versprechen modulare Mini-Eigenheime mehr Mobilität, Flexibilität und Unabhängigkeit. Ein weiterer Vorteil von Tiny Houses ist die ressourcen- und platzsparende Bauweise. Dank der geringen Maße und einfachen Installation kommen für sie auch Flächen infrage, die für die konventionelle Baubranche ungeeignet sind.
Altersgerechtes Wohnen
Das Altern der Bevölkerung fordert für die Zukunft geradezu ein barrierefreies und altersgerechtes Bauen und Wohnen. Das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen fordert schon heute die Herstellung einer Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen.
Eine barrierefreie Planung lässt sich einfach und fast ohne Zusatzkosten in Wohnungen und Hausentwürfen integrieren. Es bietet sich immer eine ebenerdige Bauweise (Bungalow - (eingeschossiges Haus mit flachem oder flach geneigtem Dach und einem L-förmigen Grundriss) an, auch wenn sie heutzutage nicht als "modern" angesehen wird.
Auch müssen alle baulichen Maßnahmen der barrierefreien Sanitärinstallationen nicht nur im offentlichen Bereich fur alte und/oder behinderte Menschen geeignet sein. Hier sind die Planungsgrundlagen fur öffentlich zugangliche Gebaude besonders in der DIN 18024 (neu: DIN18040) beschrieben.
Digitalisierung
Die Digitalisierung hat schon jetzt die Wohn- und Lebensumgebung (Smart-Home) erreicht. Im intelligenten Zuhause können Heizung, Herd und Licht über das Smartphone bequem aus der Ferne gesteuert und so auch der Energieverbrauch optimiert werden. Smarte Sensoren erkennen Einbruchsversuche, alarmieren die Bewohner, schalten das Licht ein und zeichnen das Geschehen auf. Vernetzte, intelligente Anwendungen helfen älteren oder pflegebedürftigen Menschen im intelligenten Zuhause, indem sie gefährliche oder lebensbedrohliche Situationen erkennen und eigenständig Hilfe rufen.
Gemeinsames Produzieren und Konsumieren
Der neue Trend für die Zukunft wird ein gemeinsames Produzieren und Konsumieren (Sharing Economy) sein. Mit der multifunktionalen Nutzung von Wohnraum und -vierteln, schließen sich Hausgemeinschaften zusammen, um gemeinsam Wohnwünsche zu realisieren und Räume der Begegnung zu schaffen. Das Teilen von Gegenständen wie Autos und Fahrrädern gehört ebenso dazu wie gemeinsame Projekte (Co-Working Spaces, Gemeinschaftsbüros, Angebote zur Kinderbetreuung, Altenpflege und Gemeinschaftsgärten).
Auch die Trennung von Wohnen und Arbeiten hat keine Zukunft. Das Homeoffice wird nicht mehr die Ausnahme sein, sondern der Regelfall sein. Damit können zugleich die Pendlerströme deutlich reduziert werden.