Heizkörper haben heutzutage nur noch geringe
Wasserinhalte; ihre
Heizleistungen wurden verbessert. Wird der Heizkörper abgesperrt, so kann nur noch die im Heizkörper gespeicherte
Wärmemenge an den Raum abgegeben werden. Anschließend wird sich die Raumtemperatur in dem Maße absenken, wie
Wärme durch die Umfassungsflächen verloren geht. Die Anhebung einer abgesenkten Raumtemperatur auf den gewünschten Wert, ist jedoch nur dann möglich, wenn auch der Heizkörper entsprechend überdimensioniert ist: Bei nicht überdimensionierten Heizkörpern muss eine Erhöhung der
Vorlauftemperatur möglich sein. Wird die Erhöhung an der witterungsabhängigen Regelanlage durchgeführt, so werden auch die übrigen Räume unnötigerweise mit einer überhöhten
Vorlauftemperatur angefahren. Ist der
Heizkessel richtig dimensioniert, so steht im Dauerbetrieb, bei tiefster Außentemperatur, unter Umständen keine ausreichende Reserve für Aufheizzwecke zur Verfügung. Bei der
Fußbodenheizung ist die systembedingte Trägheit des Systems zu beachten.
Fußbodenheizungssysteme lassen sich in Bezug auf die Trägheit in drei Systeme unterteilen.
Heizrohre im
Estrich eingebettet, Abb. 25.2.
Heizrohre unter dem
Estrich liegend, Abb. 25.3.
Spezialsysteme ohne
Estrich, mit sonstigen Abdeckungen, Abb. 25.4.
Entsprechend unterschiedlich sind
Wärmespeicherung und thermische Trägheit. Um ein Gefühl für die Speicherfähigkeit eines
Zement estrichs zu bekommen, kann man sich ersatzweise eine
Wassermenge in Höhe von 70 % des
Estrichvolumens vorstellen. Je nach Systemaufbau muss dem
Estrich oder der Abdeckung der Heizrohre mehr oder weniger viel
Wärmeenergie zugeführt werden. Ist die spezifische Heizlast hoch, so muss auch die
Estrichmasse auf eine hohe
Temperatur gebracht werden. Der gleiche Vorgang läuft in umgekehrter Richtung ab, wenn die Raumtemperatur gesenkt werden soll.
Im Allgemeinen sind
Trockensysteme durch das geringe Speichervermögen thermisch weniger träge als
Nasssysteme, bei denen die Speicherfähigkeit und die thermische Trägheit mit der
Estrichdicke zunehmen. Besonders günstig verhalten sich in Bezug auf die thermische Trägheit Spezialsysteme ohne
Estrich mit aufgelegten Platten oder Blechen, auf denen unmittelbar der Fußbodenbelag aufliegt. Dennoch muss oft ein Kompromiss zwischen dem Aufbau eines Fußbodenheizungssystems und den dafür erforderlichen Kosten gefunden werden. Es muss immer wieder betont werden, dass die beste technische Entwicklung nichts nützt, wenn der Kunde nicht bereit ist, dafür den Preis zu bezahlen. Natürlich gibt es Sonderfälle, wo mangels Aufbauhöhe die Entscheidung zu Gunsten eines teuren Spezialsystems fällt.
Die Mehrheit der Anwender wird sich für ein ausgewogenes Kosten-Nutzenverhältnis entscheiden. Solange sich die Heizlast nur wenig ändert und die
Fußbodenheizung durchgehend in Betrieb ist, spielt die thermische Trägheit keine besondere Rolle. Anders verhält es sich bei Lastschwankungen. Einerseits erwartet man bei einer
Nachtabsenkung ein schnelles Absinken der Raumtemperatur, andererseits ein rasches Aufheizen am nächsten Morgen. Rasch wechselnde Wetterbedingungen,
Fremdwärme durch haustechnische Geräte, Personenkonzentration und
Sonneneinstrahlung durch große
Fensterflächen erfordern eine rasche Anpassung der
Fußbodenheizung, andernfalls werden die Räume überheizt. Da heutzutage ca. 90 % aller
Fußbodenheizungsanlagen, nicht zuletzt aus Kostengründen, als
Nasssystem zur Ausführung kommen, muss der
Bauherr sich auf die thermische Trägheit solcher Systeme einstellen. Bauphysikalische und regelungstechnische Maßnahmen ermöglichen dennoch ein hohes Maß an
Behaglichkeit.